Der Consultant

Taschenrechner 'Hewlett Packard 18 C Business Consultant' aus dem Jahr 1986

Was von einem „Consultant“ nicht erwartet wird? Na, dass man kurze Texte auf einer Tastatur eingibt, bei der sich das Gehirn eines Schreibmaschinennutzers nicht schmerzhaft verknotet. Ideal für Leute, die keinerlei produktive Tätigkeit ausführen und sich deshalb für die Gewöhnung an solche Unsinnigkeiten so manches Stündchen ihrer leider viel zu gut bezahlten Lebenszeit wegnehmen lassen können, ohne dass es jemanden auffiele. Insofern ist die Bezeichnung „Business Consultant“ für dieses Taschenrechnerdesign aus den Achtziger Jahren durchaus passend.

Superlectron

Taschenrechner Superlectron 8A aus den Siebziger Jahren

Ich finde es ja immer wieder erheiternd, wie komisch die von Werbern ersonnenen Bezeichnungen technischer Gegenstände klingen, wie man sie mit einem Abstand von einigen Jahrzehnten erneut vernimmt: „Superlectron 8A“. Dieses Wort mag super und sogar ein bisschen lecktronisch klingen, aber es verbirgt auch recht gut, um was es geht. Man hätte ein Transistorradio so nennen können, einen Staubsauger, einen Dildo oder eben einen Taschenrechner. Ich muss da unwillkürlich an einen vergleichbar lustig benamsten Flipper aus der gleichen sprachkranken Zeit denken.

Die LED-Display-Anzeige des Taschenrechners hat es übrigens geschafft, die drei eingelegten AA-Zellen (Mignon-Batterien) binnen weniger als einer Stunde Nutzung völlig leerzunuckeln. Und der Flipper hat so ein Markstück auch in beachtlich kurzer Zeit in die Anzeige „Game Over“ verwandelt. Er spielte sich übrigens auch ein wenig ermüdend und bestach durch seine leicht einprägsame Dreitonmusik aus wenig musikwürdigen synthetischen Geräuschen.

Biorhythmuscomputer

Radio Shack EC 314 Biorhytm Computer / Calculator aus dem Jahr 1979

Im Jahr 1979 schatteten die vollständig enthirnten Achtziger Jahre schon einmal vorweg, was noch an computergestützter Fastfood-Esoterik über die Gesellschaft kommen wird. Ein Bullshit-Verfahren wie die Berechnung der Biorhythmuswerte für den heutigen Tag wirkt auch gleich viel exakter und überzeugender, wenn es aus einer Maschine herausfällt. Das gleiche gilt für ein Horoskop. Und ein paar Jahre später fielen Menschen in tiefe Gläubigkeit, weil ein Computer die Bibel nach Mustern durchforstete. Ansonsten gab es in den Achtzigern Essen nach Zahlen. Eine ganze Generation trägt ihren Schaden von damals noch tapfer ins Jetzt, grün und braun und kalt und dumm wie die Psyche.

Caltronic 606

Taschenrechner Caltronic 606 aus dem Jahr 1972 (oder 1971).

Dieses technische Meisterwerk aus den frühen Siebziger Jahren rechnet zwar mit zwölf Stellen, kann aber nur sechs davon gleichzeitig anzeigen. Dafür ist dank des LE-Displays auch die Batterie schnell leer. Macht aber nichts, denn wer sich damals so einen kleinen Rechenknecht leisten konnte, fand den Preis von Batterien auch nicht so schlimm.

Positiv: Einfaches Design, dass den Funktionsumfang gut auf lediglich siebzehn Tasten abbildet, unterstützt durch eine klare Gestaltung in unaufdringlichen Farben. Neckig der kleine Einlass auf der Frontseite für das Display, so dass die bei Tageslicht schwer ablesbaren Sieben-Segment-Anzeigen in Richtung des Benutzers geneigt sind, wenn der Taschenrechner auf dem Tisch liegt.

Negativ: Trotz zwölfstelliger Genauigkeit nicht geeignet für die Rechnungen im Bundesfinanzministerium, denn dort könnte es durch die Anzeige der halben Stellenzahl und die Notwendigkeit, den dargestellten Stellenbereich auszuwählen, leicht zu Ablesefehlern im Bereich mehrerer Größenordnungen kommen.

Der wahrsagende Taschenrechner

Foto des Taschenrechners Casio FT-7 aus dem Jahr 1981 mit Wahrsagefunktion, in der Hülle eine Karte, die erläutert, wie die Anzeigen für Gesundheit, Glück im Spiel, Geschäft und Liebe zu verstehen sind

Die Achtziger Jahre mit ihrer stumpf wummernden Enthirnung und ihrem dämlichen Hang zur Vulgäresoterik eben… eine fürchterliche Zeit! Die Menschen hörten damit auf, zu essen, was ihnen schmeckt und begannen, sich zu ernähren, bevorzugt, indem sie auf Tabellen mit Zahlen schauten, um ihnen zu entnehmen, was sie essen sollten. Vitamine gabs beim Apotheker, auch wenn niemand daran Mangel hatte, denn der Verkauf lohnte und lohnt sich. Vom Irresein der Achtziger Jahre — angetrieben durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, verbreitet durch Plakate und Zeitschriften und unterstützt von dumpfesten Aberglauben und Zivilisationsangst mit Vergiftungskomplexen sowie Vermarktung leicht konsumierbarer Flüchte und Tröste in allerlei Produkten — bis zur jetzigen, alles erstickenden Zwangsneurose der Gesamtgesellschaft, die das Leben, Sprechen und Denken in den Zehner Jahren gründlicher und tiefgehender erwürgt, als es jeder repressive Staat in Deutschland bislang zustandebrachte, ist es ein geradezu logischer Trampelpfad im Gestrüpp der Psyche. Der wahrsagende Taschenrechner in den Achtziger Jahren erscheint auf diesem Weg eben so logisch wie der von Amazon zum Hinstellen angebotene „Lautsprecher“ der Zehner Jahre, welcher in Wirklichkeit ein stets lauschendes Mikrofon ist, ein feuchter Traum von Erich Mielke, der euch doch alle liebt. Am Ende steht die Idiocracy und das Mittelalter 2.0, und schaut man nur ein bisschen genauer hin, sind diese beiden hirnermordenden Brüder schon überall zu finden. Wohl dem. Der im Schiffbruch der Zivilisation seinen Verstand mitretten konnte.