Sauberer, umweltfreundlicher Verkehr (Ausgabe 1975)

Reklame aus dem Jahr 1975 -- Dr. Karlheinz Bund, Vorsitzender des Vorstandes der Ruhrkohle AG: Ein Drittel des Strombedarfs in der Bundesrepublik wird aus Steinkohle gedeckt. Neue Kohlekraftwerke entstehen. Die Deutsche Bundesbahn erbringt 80 Prozent ihrer Betriebsleistungen elektrisch. Ein Beispiel, wie einheimische Energien genutzt werden können: Für einen sauberen, umweltfreundlichen Verkehr - für eine unabhängige Mobilität der Bevölkerung und Güter zu allen Zeiten. Dr. Karlheinz Bund. DB

Mit Gruß an die CDUCSPDU. Bald fahren endlich auch die Autos und die Kinderroller für Erwachsene mit guter, deutscher Kohle!

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Invasion der Fotokopierer

Werbung für SCM-Fotokopierer aus dem Jahr 1971: Was passiert, wenn die weltweite SCM in ihr Büro kommt? (Sie fragt nicht nach ihrer Betriebsgröße, sie rationalisiert.)

Heute, rd. fünfzig Jahre später, ist es mir möglich, die zum Schein in der Reklame gestellte Frage zu beantworten: Das, was überall in den eroberten Büros geschah, war, dass von jedem unwichtigen Scheißdreck noch eine Fotokopie gemacht wurde, bevor er zusammen mit dem Original zum leckeren Futter für den stets hungrigen Schredder wurde.

Mit quietschende Bremsen aus der Apotheke

Der einzig sichere Weg zur schlanken Linie: Weniger essen! Deshalb: Auf die Ess-Brremse treten! -- Beim Apotheker gibts die Ess-Bremshilfe schlank schlank E.B. 2000 mit eingebauter Ess-Bremse, damit man bei ernährungsbedingtem Übergewicht kräftig auf die Ess-Bremse treten kann. Morgens ein einziges Dragée beeinflußt das Sättigungszentrum im Körper so, daß man kaum mehr Hunger verspürt. Der gefürchtete Heißhunger bleibt aus. Man hat abends auch keine Lust mehr auf die figurschädliche, ewige Fernsehknabberei! Sie essen vom ersten Tag an viel weniger als bisher. Wie von selbst. Das macht die eingebaute Ess-Bremse in schlank schlank E.B. 2000. Ihr Gewicht kann sich sozusagen automatisch reduzieren. Bis sie wieder ihr Idealgewicht haben. Sie können darauf vertrauen: Sie können fragen wen sie wollen, der einzig sichere Weg zur schlanken Linie ist und bleibt: Weniger essen! -- Deshalb feste auf die Ess-Brrrremse treten mit schlank schlank E.B. 2000! -- (Ohne Rezept in ihrer Apotheke)

Diese dümmliche Reklame für eine Hungervernichtungswunderwaffe mit dem schwitteresken Namen schlank schlank E. B. 2000 hat man in den Siebziger Jahren jahrelang in jeder Zeitschrift gesehen. Es hat also offensichtlich jahrelang genug Leute gegeben, die durch diese Reklame dazu animiert wurden, in eine Apotheke zu gehen und zu sagen „Ich hätte gern einmal schlank schlank E. B. 2000, bitte!“. Nur für den Fall, dass jemand glaubt, die Menschen seien in den Siebziger Jahren weniger dumm als heute gewesen.

Übrigens: Ein typischer Fernsehreklameblock der Siebziger Jahre sah so aus:

⚠️ Warnung: Das Anschauen dieses Videos kann akute und langanhaltende Hirnschmerzen sowie Zweifel an der menschlichen Intelligenz auslösen. ⚠️

(Was meint ihr wohl, wie ein Werbeblock von heute in vierzig Jahren wirkt.)

Sieben schnelle, kurze Jahre

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Obwohl die Zeugen Jehovas der Siebziger Jahre nicht müde wurden, im lähmenden, alle Aussicht verdunkelnden Schatten des Kalten Krieges an jeder Straßenecke und jeder Haustür jedem Menschen vom unmittelbar bevorstehenden Ende der Welt noch in den Siebziger Jahren zu erzählen, kam es doch nicht ganz so übel. Statt der heiligen Liebe in Form von Jehovas großem, blutbesoffnen Metzeltag kamen ABBA, Snap, Juliane Verding, Boney M., Jürgen Marcus, Eruption und die Village People und begannen damit, die Gehirne der Menschen aufzufressen — ein Festmahl der Contentindustriezombies, das noch lange nicht beendet ist. Warnung: Die eben gelegeten Links zu echter, authentischer und leider allgegenwärtiger Musik aus den Siebziger Jahren beleidigen und gefährden allesamt die Intelligenz menschlicher Zuhörer so sehr, dass man sich wünscht, dass Jehova sich mal wieder daran erinnere, wie man so einen zünftigen Feuerregen wie in alttestamentarisch alten Zeiten hinbekommt. Leider wurde es nicht besser, sondern wurde von den Achziger Jahren gefolgt.

Ja, die Musik in den Siebzigern war überwiegend unerträglich und intelligenzbegabter Wesen unwürdig. Alles, was daran noch erträglich war, hat sich irgendwie aus den aciden Sechzigern in die neue Zeit gerettet, um dann nach und nach auszusterben. Aber zum Glück ist im Schatten der contentindustriellen Scheiße für die Ohren vielen Menschen wieder die Freude am Musizieren mit mehr Lebens- und Realitätsbezug erwacht, und es entstand ausgesprochen hörenswerter Rap, der in Können, Text und Tristesse meilenweit über den heutigen, völlig unerträglichen Ergüssen irgendwelcher Kommerzrapper mit peinlichen Goldkettchen und Rolexen steht. Vor allem, wenn man Englisch versteht.

Lawman

An Aufsteller gerichtete Englischsprachige Werbung für den Gottlieb-Flipper 'Lawman' aus dem Jahr 1971. -- Gottlieb's 2 Player Lawman -- A truly great 2 player Pinball packed with interesting and fun features for top profits in all locations -- Appealing count-off bonus scoring after each ball played -- Double-count bonus scored after last ball -- Straight row 10 drop targets score special when all hit -- Fascinating pinball lane on right side of playboard has six rollovers that score full bonus steps when lit -- Lower right lanes guides ball directly to flipper for sharpshooting at drop targets -- Three targets open and close ball-back gate for last minute added play -- D. Gottlieb & Co., 165 W. Lake Street, Northlake Illinois 60164, Phone 312/5627400, Telex: 72-8463

Wofür ist er da, der Gesetzeshüter, der hier so vergnügt-eifrig die Trommel seines Revolvers leerschießt?

[…] for top profits in all locations

Ah ja, ich verstehe! 😀

Der Eindruck, dass Teile des Spielfeldes eventuell 1977 für Centigrade 37 (ebenfalls von Gottlieb) „wiederverwertet“ wurden, täuscht vermutlich. Es ist nur eine oberflächliche Ähnlichkeit, die vor allem durch den sechsfachen Bahnen-Apparat an der rechten Seite geprägt wird. Ansonsten sitzen die Lampen und sonstigen Spielfeldelemente völlig anders. Bei einem richtigen „Recycling“ eines… ähm… nicht ganz so erfolgreichen Spieles wäre eine viel größere Ähnlichkeit zu erwarten. Außerdem würde ich als begeisterter Flipperspieler der alten Zeiten viel eher erwarten, dass Centigrade 37 nicht so gut ankam — denn der Abstand zwischen die Flipperfingern ist dort so groß und der seitliche Kugelauslauf so unfair, dass weder lustige Backglass-Animationen noch das lustige Thermometer darüber hinwegtäuschen konnten, dass es sich um eine münzenfressende „drain machine“ handelt.