Ad astra: Zu den Würfeln!

Wulff-Geldspielgerät 'Astra' aus dem Jahr 1962

Was ich gemeint habe, als ich gestern etwas kryptisch von der klareren, in ihren dekorativen Elementen weniger erstickt wirkenden Formensprache der Sechziger Jahre schrieb? Zum Beispiel dieses „wunderschöne“ Geldspielgerät „Astra“ von Wulff (damals noch ohne Bally) aus dem Jahr 1962, dem es am Anfang der Sechziger durchaus gegönnt werden darf, in Gehäuseform und in seinen Messingteilen noch etwas Fünfziger zu atmen, aber dabei doch schon ein schlichteres und klareres Design zu haben. Nach Einwurf von 10 Pfennig (damals noch nicht Cent) rotierte der Zeiger dreimal und blieb stehen, die Punktzahlen wurden addiert, die Zwischensumme wurde auf dem Tableau über dem Zeiger leuchtend angezeigt, der Gewinn war direkt in diesem Tableau ablesbar. Ein Spiel, das sich auch einem völlig besoffenen Kneipengast sofort erschloss, ohne dass der Schummrigkeit der Lichverneinungsstube „Hau wech“ zum Trutze ein Blick in kleingedruckte Gewinnpläne geworfen werden musste, die irgendwo in einem Fünfziger-Jahre-Ekelbarock aus Holz, Messing, Formwillen und schreiender Geschmacklosigkeit nachzulesen waren. Selbst der Clown als wichtigstes dekoratives Element auf der Scheibe wirkt zwar etwas schrill, aber keineswegs scheußlich oder misslungen. Der letzte gruslige Hauch der Fünfziger ist hier — neben den schon erwähnten Messingelementen — dass irgendwo bei Wulff noch eine Tankladung goldener Farbe für die Hintergrundfarbe der Scheibe herumstand und gleich eingesetzt wurde.

Die Wulff-Geräte aus dieser Zeit sind zwar technisch etwas „verfrickelt“, aber alles in allem bemerkenswert robust und können durchaus noch heute funktionieren (wenn man mal davon absieht, dass etwas Mühe in die sich inzwischen auflösenden Rutschkupplungen gesteckt werden muss). Ein Spiel am Astra sieht so aus:

Wie es Menschen gelungen ist, die Geschmacklosigkeit der Fünfziger Jahre (die sich keineswegs nur im Design von Geldspielautomaten, sondern auch in Prilblumen, Plastikküchen, Nierentischen und Schwanenhalslampen zeigt) zu überleben, ohne psychische Schäden davonzutragen, ist mir ein Rätsel. Es ist mir allerdings auch ein Rätsel, wie ich selbst die pulsierende Hirnlosigkeit der Achtziger Jahre überstanden habe, ohne dem ständigen sozialen Druck in Richtung Dummheit nachzugeben oder mich aufzuhängen.

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Gesetze korrekturlesen

Beschluss des Nationalrates

Bundesgesetz, mit dem das Kraftfahrgesetz 1967 geändert wird

Der Nationalrat hat beschlossen:

Das Kraftfahrgesetz 1967, BGBl. Nr. 267, zuletzt geändert durch das Bundesgesetz BGBl. I Nr. 26/2014, wird wie folgt geändert:

1. In § 14 Abs. 5 wird das Wort „Schweinwerfers“ durch das Wort „Scheinwerfers“ ersetzt.

2. In § 15 Abs. 5 Z 1 und § 20 Abs. 4 wird jeweils das Wort „Schweinwerfer“ durch das Wort „Scheinwerfer“ ersetzt.

3. In § 15 Abs. 5 Z 2 wird das Wort „Schweinwerfern“ durch das Wort „Scheinwerfern“ ersetzt.

Alle Schweine in der Bundesrepublik Österreich danken es dem Nationalrat.

Gerätezulassungen

Gerätezulassungen -- Bekanntmachung über die Zulassung von Spielgeräte-Bauarten gemäß § 5 der Verordnung über das Verfahren bei der Zulassung der Bauart von Spielgeräten vom 6. Februar 1962 (BGBl.I S. 156) -- Bek. dr. BMI v. 24.2.1966 -- VI B 4 -- 641 114/2 -- im II. Halbjahr 1965 hat die Physikalisch-Technische Bundesanstalt die in der nachstehenden Aufstellung näher bezeichneten Bauarten zugelassen: -- Spielgeräte, die für eine Aufstellung in geschlossenen Räumen zugelassen sind. -- Touromat-Jolly von Panda GmbH, Köln-Mülheim, Zul-Nr. 21200001 und folgende -- Rotomat-pasch von Wulff-Apparatebau, Berlin 30, Zul-Nr. 22200001 und folgende -- Max und Morix von Bergmann & Co., Relingen, Zul.-Nr. 22500001 und folgende -- Rotamint Zwilling von Löwen-Automaten, Bergen, Zul.-Nr. 22700001 und folgende -- Addomat von Wulff-Apparatebau, Berlin 30, Zul.-Nr. 22800001 und folgende -- Variant de Luxe von G. Hiltgens, Köln-Lindenthal, Zul.-Nr. 23000001 und folgende -- Dualo Super von Wulff-Apparatebau, Berlin 30, Zul.-Nr. 23300001 und folgende

Das Bergmann-Gerät hieß natürlich in Wirklichkeit Max und Moritz…

Abbildung des Bergmann-Geldspielgerätes 'Max und Moritz' aus dem Jahr 1965 in einer damaligen Fachzeitschrift für Automatenaufsteller

…und irgend jemandem zwischen Bundesinnenministerium und Druckerei hätte das eigentlich auffallen müssen.

Interessant ist aber, wie sich die Namensgebung von Geldspielautomaten innerhalb meiner kurzen Lebenszeit verändert hat. Niemand käme heute auf die Idee, ein solches Gerät „Max und Moritz“ zu nennen.

Gigant

Werbung für das Panda-Geldspielgerät 'Gigant' aus einer Fachzeitschrift für Automatenaufsteller aus dem Jahr 1969

Im Sommer des Jahres 1969 warfen allerorten die völlig geschmacklosen Siebziger Jahre ihren ekelhaften Schatten voraus. Aus klarer Typografie ist der „Gigant“-Schriftzug auf dieser Scheibe geworden, und das Gelb und Lila auf dieser Scheibe möchte sich gar nicht gern zum Holzimitat aus Kunststoff gesellen, das auf den Automaten aufgeklebt wurde. Nur noch wenige Jahre bis 1973, wo die Speerspitze des Designs für erfolgreiche und nahezu überall aufgestellter deutscher Geldspielgeräte so aussah… ja, das ist das Originalgehäuse und die Originalscheibe eines wirklich gut erhaltenen Exemplars, und nein, das wirkte damals nicht etwa besonders hässlich und brechreizerregend, sondern völlig normal. 😀

Wie ich die völlig geschmacklosen Siebziger Jahre und die völlig hirnlosen Achtziger Jahre überlebt habe, ohne mich zu erschießen, ist mir bis heute ein Rätsel.