Bleifreies Benzolgemisch

Detail aus einer ARAL-Reklame aus dem Jahr 1960: ARAL-Logo -- Das ARAL-Zeichen ist das Merkmal für Marken-Kraftstoffe aus gutem Hause -- ARAL: Das bleifreie Benzol-Gemisch -- ARALIN: Das Benzin großer Klasse

So lange es Autos gibt, war und ist es den Fahrern dieser Autos scheißegal, wen sie mit hochgiftigen Substanzen vergiften. Da kann man sogar die Namen der Gifte in die Reklame schreiben, und die Motorhenker finden es geil.

Wir alle müssen froh darüber sein, dass polychlorierte Dibenzodioxide nicht die Verbrennung im Motor verbessern — sonst hätten sie das Zeug auch ins Benzin gemischt und die Blechkutscher hätten es getankt, verbrannt und verauspufft, scheißegal, wer dabei draufgeht.

Tele-Box Caravelle

Detail einer Werbung aus einem Fachmagazin für Automatenaufsteller aus dem Jahr 1963 -- Eindrucksvoll durch seine Bildschirmgröße -- Tele-Box Caravelle -- Das Gerät ist so etwas ähnliches wie eine Musikbox mit Bildschirm

Offenbar hat sich dieser 60er-Jahre-Versuch einer Gerätegattung — Musikbox, aber zum Videoglotzen (ich habe da noch ein Beispiel) — überhaupt nicht durchgesetzt. Passte wohl nicht so gut in die typische Kneipensituation, in die hinein solche Kästen gesetzt wurden. Es kann allerdings auch sein, dass der „Abschaffungswiderstand“ in Kilomark ein bisschen groß war. Ich weiß nicht, was die Anschaffung eines derartigen Gerätes im Jahr 1963 gekostet hat. Die untere Preisgrenze bei Endverbraucher-Farbfernsehern in dieser Zeit lag bei rd. 4.000,– DM. Das waren Sechziger-Jahre-Mark. Für dieses Geld bekam man zum Beispiel auch einen Kleinwagen. Das Farbfernsehen wurde in der BRD übrigens am 1. April 1963 gestartet. Es war schon immer etwas teurer, zu den ersten zu gehören. Diese Kiste muss zusätzlich eine Form von Abspielgerät (vermutlich eher einen Filmprojektor als ein Magnetbandgerät für Farbfernsehen, und an den mechanischen Aufbau will ich gar nicht denken), einen Münzprüfer, eine Vorwahlautomatik gehabt haben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das für wesentlich weniger als 10.000,– DM zu haben war. Da war nichts digital. Das war reine, äußerst komplizierte Elektromechanik, die außerdem so robust gewesen sein muss, dass sie in einer verrauchten Bierdunststube „Hau wech“ jahrelang beinahe störungsfrei durchlief und den Leuten die Groschen aus der Hand fraß. Ja, so etwas Robustes konnte man in den Sechziger Jahren bauen. Gut gepflegte Geldspielgeräte aus dieser Zeit laufen bis heute (wenn man das verharzte Öl mit Waschbenzin entfernt, die Rutschkupplungen für die Umlaufkörper ersetzt, Glühlampen austauscht und die Kontakte an der Nockenwelle wieder leitfähig macht), und sie waren (wegen der in der BRD geltenden Gesetze) für eine Nutzungsdauer von nur drei Jahren konzipiert. Da hat man an nix gespart und, wie es heute vielfach der Fall ist, fabrikneuen Müll verkauft. Die Waste Economy wurde in späteren Zeiten erfunden.

Vergleichbare Geräte aus den Siebziger Jahren waren zwar nicht mehr ganz so klotzig, haben sich aber dennoch nicht durchsetzen können. Sie waren eine Lösung ohne Problem.

Ich habe den Gilb aus dieser Reklame nicht ganz rausbekommen und weiß nicht, ob die Farben wirklich so kräftig waren. Es würde aber zur klaren Formgebung und den frühen Sechziger Jahren passen (das Geldspielgerät Rotamint Dualo von Wulff oder auch der Astra von Wulff sind schöne Beispiele für die Ästhetik der klaren Formen und Farben, nur eben nicht in französisch, sondern in deutsch).