Musikbox zum Glotzen

Werbung für einen obskuren Münzautomaten aus dem Jahr 1962 -- Neue deutsche Filme in der Farb-Tonfilm-Box

Foto einer Aufstellung dieses Gerätes im Jahr 1962

Das scheint eine nicht ganz so erfolgreiche Idee gewesen zu sein, denn ich habe eine derartige „Musikbox zum Glotzen“ niemals irgendwo gesehen. Es überrascht ja auch nicht weiter. Musik ist immer im Hintergrund möglich, wenn man beisammen ist; aber ein Film zieht die beiden wichtigsten Sinnesorgane auf einmal an sich und entzieht damit jeder Geselligkeit und jedem Miteinander den Boden. Mögliche Aufstellorte wären natürlich Wartesäle in Bahnhöfen und dergleichen gewesen, aber wie schon längst gesagt: Ich habe ein derartiges Gerät niemals gesehen.

Zwölf Jahre später in den Siebziger Jahren sollte diese Idee noch einmal von Neuem geboren werden, und sie war genau die gleiche Totgeburt.

Muhkuh

Werbung für eine Schallplatte aus dem Jahr 1963 -- Telefunken Europa-Tip -- Rollie und Mollie -- Eine Muh, eine Kuh Radel-Rutsch Radel-Roo Radel-Rii

Wer kein Problem mit Ganzkopfvernichtungsschmerzen, Magenstülpungen und Ohrenkrebs hat, kann sich dieses Sechziger-Jahre-Kleisterwerk der BRD-Musikindustrie auch auf YouTube anhören. Ich finde es ja immer noch eine Spur erträglicher als Helene Fischer, aber das ist natürlich eine sehr niedrig gehängte Latte zum Drüberhüpfen. 😉

Jet 100

Ausgesprochen peinliche Werbung für die Musikbox Jet 100 aus dem Jahr 1968. Seevend präsentiert: die Superbox, die garantiert in jeden Raum passt. Seeburg Jet 100.

Für die Jüngeren: Das obskure Gerät zur Linken der Zierfrau mit ihren gespreizten Beinen ist eine so genannte Musikbox. Diese Geräte kommen aus dem Vor-MP3-Zeitalter. Sie standen in jeder Kneipe und auch in vielen Restaurants. Man konnte zwanzig Pfennig einwerfen, auf einer großen Liste verfügbarer Schallplatten nachschauen, welche man hören wollte und auf etwas schwergängigen Tasten einen Code eingeben, was zur Folge hatte, dass eine unfassbar aufwändige Mechanik diese Schallplatte abspielte. Da diese Dinger meist am Dauerdudeln waren und ein durchschnittlicher Schlager aus der Sechziger-Jahre-Hölle rd. vier Minuten dauerte, brachten sie dem Aufsteller rd. 3 Mark in der Stunde ein. Also so ungefähr zwanzig Mark am Abend. Das klingt nicht nach viel Geld, aber so ein grüner Zwanzig-Mark-Lappen mit dem Bild einer Frau mit Magenverstimmungsgesicht auf der Vorderseite und einer Klarinette mit Geige auf der Rückseite hatte zu dieser Zeit eine erstaunliche Kaufkraft. Der ist nicht mit 20 Euro von heute zu vergleichen. Auch nicht mit 50 Euro. Aber dafür hat heute jeder einen Kopfhörer immer und überall dabei…