Emeraldia

Emeraldia

Die Präsentation von Arcade-Spielen mit Puzzle-Charakter in den Neunziger Jahren lässt sich beim besten Willen mit keinen anderen Attributen als „kindisch“, „geschmacklos“, „nervenzerreibend“ und „Augenkrebs verursachend“ beschreiben. Wer die japanische Neunziger-Jahre-Experimentierfreude mit Farben und Musik nicht kennt und noch einmal sehen möchte: Auf YouTube gibts ein Longplay. Ich wusste übrigens gar nicht, dass von diesem Spiel auch eine englischsprachige Version existiert und habe bis heute gehofft, dass es niemals Japan verlassen hat und dort schlimmstenfalls bunte Erinnerungen im trüb gewordenen Restgeist der Veteranenverlierer in den dröhnenden Pachinko– und Pachislot-Höllen zu erwecken vermag.

Oh, ich muss dieses YouTube-Tab zumachen… schon bei der Spielmusik kann man geradezu fühlen, wie man mit viel zu großem Tempo dümmer wird. Und wenn man dann gar kurz hinschaut…

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Rotator

Geldspielgerät Rotator von Lindl&Co Gerätebau GmbH aus dem Jahr 1968

Manchmal brachten die Sechziger Jahre gar eigenartige Gestaltungsideen hervor. Bei Lindl & Co. haben sie sich gesagt: Wenn wir schon Wulff-Geräte umbauen und das Gehäuse im großen und ganzen so lassen müssen, dann sollten wir doch wenigstens bei der Scheibe sehr anders aussehen. Also machen wir dort einfach zwei Gruppen konzentrischer Kreise und färben die dabei entstehenden Flächen abwechselnd rot und blau ein. Eine weitere kecke und in dieser Form niemals wieder gesehene Designidee war es, den Namen des Geldfressers in der damals generell sehr beliebten Futura zu setzen, und in den beiden kreisrunden „O“ jeweils ein Zeigerzählwerk für die Münzvorlage (links) und eines für die Serienspiele (rechts) unterzubringen. Nach unbestätigten Gerüchten aus Kelheim, den damaligen Unternehmenssitz der Lindl & Co. Gerätebau GmbH, soll angesichts des optischen Zusammenspieles von Holzgehäuse und Scheibendesign der Blindenhund des Gestalters mehrfach undefinierbare Jaulgeräusche von sich gegeben haben, die den Eindruck erweckten, dass er sein blindes Herrchen beneidete.

Übrigens: Das Gerät ist ziemlich selten. Es war wohl nicht so ein großer Erfolg…

Brillant

Foto aus einer Werbung für das NSM-Geldspielgerät Rotamint Brillant aus dem Jahr 1972

Übrigens ist die Rotamint Brillant das einzige „klassische“ NSM-Geldspielgerät mit schwarzen Scheiben, die sich im hellen und schlichten Design ausgesprochen hübsch machen. Und auch die neben den längst üblichen Geldbeträgen draufgedruckten Symbole wirken heute eher ungewöhnlich. Neben der unvermeidlichen Sieben und der damals von NSM gern verwendeten Acht und neben der Abbildung von zwei 1-DM-Münzen gab es auch ein Schwein und einen Fliegenpilz:

Die Scheiben der Rotamint Brillant von NSM

Diese waren aus einen für mich nicht nachvollziehbaren Grund zwar optisch unterschiedliche, aber technisch gleiche Symbole. Jede (übrigens gar nicht so seltene) Kombination aus Pilzen, Schweinen und Joker brachte den Zwei-Mark-Gewinn, und wenn er gar unmittelbar nach einem 40-Pfennig-Gewinn kam (was ein paar entsprechende Lichtfelder einschaltete), gab es zusätzlich die begehrte 10er-Serie mit ihren Verlängerungsmöglichkeiten, die aber auch ohne zusätzliches Glück im Durchschnitt einen Gewinn von zehn Mark einbrachte. Im Jahr 1972 entsprach das einer Kaufkraft von heute geschätzt rd. fünfzehn Euro.

Die Idee besonderer Symboles für 2-DM-Gewinne, die nach einem besonderen Ereignis zur 10er-Serie aufgewertet werden können, hat NSM übrigens im Nachfolgegerät „Rotamint Super Bingo“ noch einmal aufgegriffen, nur, dass die dortige Umsetzung daran krankte, dass diese Gewinne deutlich fühlbar seltener waren. Zudem wurden die lustigen Schweine durch Hufeisen ersetzt. Die giftigen Pilze durften hingegen bleiben.

Multimedia

Früher war ja alles besser:

Bootscreen von Microsoft Windows 3.0 mit Multimedia Extensions 1.0

Kennt hier noch jemand die damals gelegentlich auftretende Fehlermeldung „Zu wenig Speicher um Windows zu beenden“? Oder erinnert sich noch jemand an die sieben Disketten für die Installation? Und an die Reihenfolge, in der diese Disketten zu wechseln waren, wenn man keine zusätzliche Hardware benutzte? Sie war übrigens 1, 2, 4, 2, 3, 4, 7, 1, 3, 4, 3, 5, 3, 5, 6, 5, 4, 5, 6. Wer einen Drucker hatte, musste noch ein bisschen häufiger wechseln. Man konnte übrigens auch für läppische 349 Deutsche Mark von Microsoft eine Microsoft-Maus passend zum Microsoft Windows kaufen (der Preis ist allerdings schon aus dem Jahr 1991, also vermutlich etwas günstiger als 1990). Und nein, das war nicht die spätere und unfassbar viel bessere „Intellimouse“, das Ding war einfach nur schlecht…

Hach, kam mir mein privat genutzter Amiga damals modern, preiswert und fortschrittlich vor! 😉