Rotamint Exquisit Juwel

An Aufsteller gerichtete Reklame für das NSM-Geldspielgerät Rotamint Exquisit Juwel aus dem Jahr 1976

Der sehr kontrastarm über die Biertrinkenden gesetzte Text dieser doppelseitigen Reklame in einem Fachmagazin für Automatenaufsteller aus dem Jahr 1976 lautet übrigens:

Von der Aufstellerschaft geschätzt: Die technisch ausgereifte, marktbewährte und funktionssichere „exquisit juwel“ mit den hervorragenden Kassenergebnissen.

Beim Publikum beliebt: Das reizvolle Spielsystem mit den vielen Gewinnchancen, der erfolgverheißende Doppel-Lichtjackpot und die enorme Spielfreudigkeit.

„exqusit juwel“ eine ROTAMINT die sich die Gunst der Aufsteller und Spieler echt verdient hat.

Wenn Eigenlob wirklich stinken würde, wollte wohl niemand mehr etwas mit einem Werber zu tun haben.

Ach ja: Auf Youtube gibt es ein schönes Video. 😉

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Rotamint Super Bingo

Werbung für das NSM-Geldspielgerät Rotamint Super Bingo aus dem Jahr 1973

Übrigens: Wer so ein NSM-Gerät mit Zeigerzählwerken aus den Siebziger Jahren zum Laufen bringen möchte, hat recht häufig Probleme mit den Zeigerzählwerken für die Münzvorlage und die Sonderspiele. Das liegt daran, dass die mechanischen Teile von einem Idioten von Servicetechniker irgendwann einmal geölt wurden und dieses Öl im Laufe der Jahrzehnte verharzt ist. Wer sie wieder zum Laufen bringen möchte, wird nicht umhin kommen, die Zählwerke auseinanderzubauen (dabei darauf achten, dass die verdammten Sprengringe nicht in die bestmöglichen Verstecke hüpfen), die mechanischen Teile gründlich mit Waschbenzin zu reinigen (dabei nicht die Flächen der Distanzringe vergessen) und sie wieder zusammenzusetzen (und viel „Spaß“ mit dem sehr fummeligen Einfädeln der kleinen Federn zu haben). Auf gar keinen Fall auf die Idee kommen, das Zahnrad zu lösen, wenn es sich vermeiden lässt! Sonst betritt man eine Fummelhölle, in der man leicht etwas kaputtmacht, wofür sich nur schwierig ein Ersatzteil auftreiben lässt. Sollte sich das Zahnrad schwer bewegen, reicht es wohl immer, etwas Waschbenzin auf die Achse zu träufeln. Dieses löst das verharzte Öl, das dann an der Seite herausläuft und einfach abgetupft werden kann. Dies so lange wiederholen, bis sich kein weiteres Öl mehr löst. Danach sollte sich das Zahnrad wieder gut bewegen lassen — und obwohl einem diese Prozedur leicht eine Stunde der beschränkten Lebenszeit kostet, hat man sich viele Stunden Ärger und Fummelei erspart.

Immerhin hat man bei solchen Arbeiten an mechanischen Teilen deutlich bessere Erfolgsaussichten als bei einem nicht funktionierenden Gerät mit Digitaltechnik. 😉

Brillant

Foto aus einer Werbung für das NSM-Geldspielgerät Rotamint Brillant aus dem Jahr 1972

Übrigens ist die Rotamint Brillant das einzige „klassische“ NSM-Geldspielgerät mit schwarzen Scheiben, die sich im hellen und schlichten Design ausgesprochen hübsch machen. Und auch die neben den längst üblichen Geldbeträgen draufgedruckten Symbole wirken heute eher ungewöhnlich. Neben der unvermeidlichen Sieben und der damals von NSM gern verwendeten Acht und neben der Abbildung von zwei 1-DM-Münzen gab es auch ein Schwein und einen Fliegenpilz:

Die Scheiben der Rotamint Brillant von NSM

Diese waren aus einen für mich nicht nachvollziehbaren Grund zwar optisch unterschiedliche, aber technisch gleiche Symbole. Jede (übrigens gar nicht so seltene) Kombination aus Pilzen, Schweinen und Joker brachte den Zwei-Mark-Gewinn, und wenn er gar unmittelbar nach einem 40-Pfennig-Gewinn kam (was ein paar entsprechende Lichtfelder einschaltete), gab es zusätzlich die begehrte 10er-Serie mit ihren Verlängerungsmöglichkeiten, die aber auch ohne zusätzliches Glück im Durchschnitt einen Gewinn von zehn Mark einbrachte. Im Jahr 1972 entsprach das einer Kaufkraft von heute geschätzt rd. fünfzehn Euro.

Die Idee besonderer Symboles für 2-DM-Gewinne, die nach einem besonderen Ereignis zur 10er-Serie aufgewertet werden können, hat NSM übrigens im Nachfolgegerät „Rotamint Super Bingo“ noch einmal aufgegriffen, nur, dass die dortige Umsetzung daran krankte, dass diese Gewinne deutlich fühlbar seltener waren. Zudem wurden die lustigen Schweine durch Hufeisen ersetzt. Die giftigen Pilze durften hingegen bleiben.

Rheingold

Werbung für das NSM-Geldspielgerät Rotamint Rheingold aus dem Jahr 1963

Im Jahr 1963 hat sich NSM noch einen Hauch Fünfziger Jahre erlaubt, vor allem in der Gehäuseform und in den unsäglichlichen Messingteilen, aber die Scheibengestaltung ist schon klar in den Sechziger Jahren angekommen. Das Ergebnis ist durchaus interessant anzuschauen. Die Münzen im Hintergrund der Reklame mögen an eine Zeit erinnern, in der das Geld noch Kaufkraft hatte und einigermaßen hübsch aussah.

Was man auf dem Bild nicht sehen kann, ist der mehrtönige, außerordentlich laute Gong, der von diesem NSM-Groschenfresser bei Gewinnen ab sechzig Pfennig abgespielt wurde — und oft in den lichtlosen Bierdunstkammern „Hau wech“ als so störend bei der kollektiven Sedierung empfunden wurde, dass Wirte kurzerhand den Kasten aufschlossen und das Kabel zum Gong durchknipsten. Das Geräusch der Groschen, die heiter in die Schale prasselten, war ja auch vernehmbar genug. Leider habe ich bei einer quicken Suche auf YouTube keine Aufnahme des Gongs gefunden. Bei diesem Rotamint Bingo eines niederländischen Sammlers aus dem Jahr 1964, der ursprünglich den gleichen Gong verbaut hatte, war offenbar jemand so gnädig zu den Ohren seiner Mitwelt, den Krachmacher zu deaktivieren — und in späteren Typen wurde mutmaßlich auf Wunsch der Aufsteller von NSM eine eher leise Ding-Dong-Türklingel verbaut, die den Gewinn zwar akustisch anzeigte, aber nicht mehr den Eindruck erweckte, damit auch die Toten aufwecken zu wollen.

Die neue Spielattraktion

Die neue Spielattraktion aus dem Hause NSM bringt Super-Spielvergnügen! -- Die royal-super bietet die weiterentwickelte bewährte Technik der exquisit royal kombiniert mit einem noch effektvolleren und übersichtlicheren Spielsystem, das diesem Gerät den Erfolg beim Spieler und damit beim Aufsteller sichert! -- Ein starker Spielanreiz geht nicht nur von den drei superschnellen vierteiligen Lichtjackpots aus, sondern auch von den Sonderspiele-Lichtfeldern, von denen jedes Verlängerungsmöglichkeiten -- im Höchstfall bis zu 100 Sonderspiele -- signalisiert. -- Unterbrechen der Sonderspiele: -- Die dem Spieler erstmals gebotene Möglichkeit, den Ablauf der Sonderspiele selbst zu bestimmen, ist ganz zweifellos ein kassensteigernder Spieleffekt. Denn dadurch, daß der Spieler den Ablauf der Sonderspielserien nach Belieben unterbrechen und Normalspiele dazwischenschalten kann, verschafft er sich ein längeres indivudelles Spielerlebnis. -- Rotamint Royal Super

Dieser „kassensteigernde Spieleffekt“ wurde übrigens danach nie wieder in ein NSM-Gerät verbaut, scheint also bei weitem nicht so erfolgreich (oder auch nur beim Spieler akzeptiert) gewesen zu sein, wie es der von NSM bezahlte Werber hier nach einer extragroßen Nase Kokain herbeihalluziniert hat. Es ist vielleicht effektvoll, aber nicht besonders lustig, wenn man beim Zählerstand 2 die Sonderspiele unterbricht und ein Normalspiel dazwischenschaltet und wenn dann in diesem Spiel die Kombination 7-Joker-7 einläuft, die im Sonderspiel beim Zählerstand 2 eine Verlängerung um hundert Sonderspiele und damit einen Geldgewinn von rd. 120 DM gegeben hätte.

Doppel-As

Werbung für das NSM-Geldspielgerät Rotamint Doppel-As aus dem Jahr 1974

Die „Rotamint Doppel-As“ ist übrigens aus Resten der Produktion anderer, früherer Typen von NSM-Geldspielautomaten gebaut worden, insbesondere die Platinen der NSM Rotamint Super Bingo aus dem Jahr 1973 finden hier eine Zweitverwertung, und zwar neben deutlich älteren Lichtjackpot-Platinen aus den frühen Exquisit-Geräten des Jahres 1971 im Inneren. Vermutlich war ein Großteil der Produktion bereits für die Herstellung der NSM Rotamint Kleeblatt (ebenfalls erschienen im Jahr 1974) und die anderen Geräte der etwas unglücklichen „gelben Serie“ mit ihrer völlig neuen Technik umgestellt, aber die noch vorhandenen Teile zu schade zum Wegwerfen. Es handelt sich ja immerhin um eine sehr robuste Technik, die einige Jahre Dauerbetrieb im Regelfall ohne Störungen mitmacht.

Tatsächlich wurden auf der unteren Anzeigetafel (mit den Lämpchen und den Zeigerzählwerken) vorherige Aufdrucke mit bedruckter metallischer Folie überklebt, damit sie zum „neuen“ Spielsystem passten — nämlich die Skala des Sonderspiele-Zählwerkes:

Detail der NSM Rotamint Doppel-As. Anzeigetafel mit deutlich sichtbarem Aufkleber im Sonderspiele-Zählwerk.

Bei NSM-Geräten aus den Siebziger Jahren sind solche für den Spieler sichtbaren „Fummeleien“ sehr ungewöhnlich; stets wurde von NSM auf ein „makelloses“ Erscheinungsbild geachtet. Immerhin fiel der kleine „Hack“ (wie man so etwas heute nennen würde) in der schummrigen Kneipenbeleuchtung nur bei sehr genauem Hinschauen auf.

Zudem verhält sich die 5er-Serie über den Lichtjackpot aus Spielersicht sehr seltsam und ein wenig verwirrend. Die in der Rotamint Doppel-As noch einmal verbauten Teile waren nicht für 5er-Serien ausgelegt, so dass eine 5er-Serie gar nicht angezeigt werden konnte. NSM, oder genauer gesagt: Einer der mit dieser Aufgabe gestraften Ingenieure bei NSM, entschied sich dazu, mit durchaus beachtlichem Schaltaufwand den erleuchteten Schriftzug „HERZ“ während der Serie stehen zu lassen, um den Ablauf einer 5er-Serie anzuzeigen und die erleuchteten Felder erst nach der Serie zu löschen. Kam es während des Ablaufs einer so angezeigten 5er-Serie zum Einlauf der Kombination As-Joker-As, so dass im Lichtjackpot die Kombination für die 10er-Serie erreicht wurde, dann wurde infolge des ganzen „Gefummels“ die Serie als reguläre 10er-Serie weitergespielt und wie gewohnt durch Aufleuchten des entsprechenden Lämpchens in der Anzeigetafel signalisiert, und der Schriftzug „HERZ“ wurde „vorzeitig“ gelöscht. Sicher, das Ereignis trat selten ein, aber vermutlich hat kein Spieler mit dieser Reaktion des Gerätes gerechnet.

Eine weitere Besonderheit der Rotamint Doppel-As: Es ist das einzige Gerät aus dieser Zeit, bei dem im sichtbaren Gerätenamen auf der Frontscheibe ein Großbuchstabe verwendet wurde — typisch für NSM war sonst die ausschließliche Verwendung von Kleinbuchstaben, und diese „Tradition“ wurde erst mit der NSM Rotamint Doppel Jackpot aus dem Jahr 1979 kurz gebrochen, dann aber weit in die elektronische Ära der späten Siebziger und frühen Achtziger Jahre wieder fortgesetzt. Vermutlich fand man die Schreibweise „doppel-as“ unklarer als die verwendete Schreibweise „doppel-As“. Warum dann aber nicht „Doppel-As“ geschrieben wurde? Nun, so etwas hatten sie bei NSM halt seit 1968 (mit der Rotamint Super Sieben) nicht mehr gemacht. 😉

Alles in allem kann man über dieses ingenieurstechnische Meisterwerk in der selten gut gepflegten Disziplin „Müllvermeidung“ folgendes festhalten: Die Rotamint Doppel-As ist das letzte NSM-Gerät, in dem (damals schon leicht veraltet wirkende) Zeigerzählwerke für die Anzeige des Münzspeichers verwendet wurden, sie ist das einzige reguläre NSM-Gerät (es gab natürlich ein paar Prototypen, mit denen neue technische und Spiel-Ideen mit einer Sonderzulassung der PTB in der Aufstellung ausprobiert wurden, die man aber nur in seltenen Glücksfällen zu Gesicht bekommen kann), das deutliche und für Spieler sichtbare Zeichen von „Verbastelung“ zeigt und unter den NSM-Geräten aus den Siebziger Jahren ist die Rotamint Doppel-As auch das einzige Gerät, das etwas seltener ist und einem nicht überall in den Garagenflohmärkten des Internet nachgeworfen wird — denn als die ganzen alten Teile in „neuen“ Geräten verbaut waren, wurden sie ja nicht mehr neu hergestellt. Dementsprechend selten hat man den elektromechanischen Geldfresser auch in der Aufstellung gesehen.