Der Engel von Rom

Alessandro Moreschi (* 11. November 1858 in Monte Compatri; † 21. April 1922 in Rom) war päpstlicher Sänger der Sixtinischen Kapelle, einer der letzten Kastratensänger und zugleich der einzige, von dem heute noch Tonaufnahmen vorliegen

Das tolle ev.-luth. Schneeballsystem

Milchkühe für Nomaden -- Die evangelisch-lutherische Kirche in Tansania (Ostafrika) hilft mit ihrem Entwicklungsprogramm unter anderem auch ehemaligen Nomaden zu überleben. Sie haben gelernt, Kaffee, Mais, Bohnen und Gemüse anzubauen. Zur Sicherung ihrer Ernährung wurde 1978 ein Programm gestartet, das nach dem Schneeballsystem funktioniert: Der Dorfrat teilt einer bedürftigen Familie eine Milchkuh zu, wenn für die Stallhaltung gesorgt ist. Die Kuh bleibt so lange Eigentum der Kirche, bis das erstgeborene weibliche Kalb an die nächste bedürftige Familie abgegeben wird, usw., usw. -- BROT FÜR DIE WELT-Spender finanzieren dieses erfolgreiche Programm mit. -- Postfach 476, 7000 Stuttgart 1 -- Brot für die Welt -- Konto 500 500 500 Postgiro Köln oder Banken und Sparkassen. Bei vielen Kreditinstituten liegen vorgedruckte Spendenzahlscheine aus.

Diese Bettelreklame ist von 1988, damals wurde dieses tolle ev.-luth. Schneeballsystem schon zehn Jahre lang angewendet. Wie gut es funktioniert hat, sieht man daran, dass auch dreißig Jahre später immer noch Spendengelder eingesammelt werden, bevorzugt um die Weihnachtszeit mit überall in den öffentlichen Blickraum gehängten, großformatigen Fotos niedlicher Kinder, die in die Kamera hungern. Fürwahr, ein sehr erfolgreiches Schneeballsystem. Außer vielleicht für jene, die in Afrika hungern.

Sieben schnelle, kurze Jahre

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Obwohl die Zeugen Jehovas der Siebziger Jahre nicht müde wurden, im lähmenden, alle Aussicht verdunkelnden Schatten des Kalten Krieges an jeder Straßenecke und jeder Haustür jedem Menschen vom unmittelbar bevorstehenden Ende der Welt noch in den Siebziger Jahren zu erzählen, kam es doch nicht ganz so übel. Statt der heiligen Liebe in Form von Jehovas großem, blutbesoffnen Metzeltag kamen ABBA, Snap, Juliane Verding, Boney M., Jürgen Marcus, Eruption und die Village People und begannen damit, die Gehirne der Menschen aufzufressen — ein Festmahl der Contentindustriezombies, das noch lange nicht beendet ist. Warnung: Die eben gelegeten Links zu echter, authentischer und leider allgegenwärtiger Musik aus den Siebziger Jahren beleidigen und gefährden allesamt die Intelligenz menschlicher Zuhörer so sehr, dass man sich wünscht, dass Jehova sich mal wieder daran erinnere, wie man so einen zünftigen Feuerregen wie in alttestamentarisch alten Zeiten hinbekommt. Leider wurde es nicht besser, sondern wurde von den Achziger Jahren gefolgt.

Ja, die Musik in den Siebzigern war überwiegend unerträglich und intelligenzbegabter Wesen unwürdig. Alles, was daran noch erträglich war, hat sich irgendwie aus den aciden Sechzigern in die neue Zeit gerettet, um dann nach und nach auszusterben. Aber zum Glück ist im Schatten der contentindustriellen Scheiße für die Ohren vielen Menschen wieder die Freude am Musizieren mit mehr Lebens- und Realitätsbezug erwacht, und es entstand ausgesprochen hörenswerter Rap, der in Können, Text und Tristesse meilenweit über den heutigen, völlig unerträglichen Ergüssen irgendwelcher Kommerzrapper mit peinlichen Goldkettchen und Rolexen steht. Vor allem, wenn man Englisch versteht.