Der Ritter, die Prinzessin und das Pferd

Abschlussanimation des Capcom-Spieles Super Ghouls'n Ghosts aus dem Jahr 1991: Der Ritter und die vor Dämonen gerettete Prinzessin reiten zurück.

Ich verstehe gar nicht, dass Knight Arthur so anstrengend zu Fuß durch die dämonischen Welten zu seiner Prinzessin wandelt, wenn er doch die ganze Zeit so ein schönes Pferd hat…

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So clever wie sie

Faxen und Surfen im Internet. -- Mit der ISDN-PC-Karte von Siemens. -- Die Datenautobahn ist die schnellste und vielleicht auch die spannendste Möglichkeit, um die Welt zu reisen. Mit Siemens I-Surf haben Sie ihre Fahrkarte fürs Internet in der Tasche und im PC. Ergründen Sie das Internet, und erledigen Sie Ihre Geschäfte online. Sie versenden Faxe per Mausklick und lassen sich während Ihrer Abwesenheit vom integrierten Anrufbeantworter vertreten. Mehr über I-Surf erfahren Sie unter: 089/722-36694 http://www.siemens.de/pn/ke -- I-Surf. So clever wie Sie. -- DM 177,- -- ISDN SURF by Siemens -- Siemens. Communication unlimited.

Jetzt noch mal zum bequemen Mitlesen, damit auch 2019 jeder die Siemens-Werbebotschaft aus der tollen neuen Zeit mitbekommt:

Die Datenautobahn ist die schnellste und vielleicht auch die spannendste Möglichkeit, um die Welt zu reisen. Mit Siemens I-Surf haben Sie ihre Fahrkarte fürs Internet in der Tasche und im PC. Ergründen Sie das Internet, und erledigen Sie Ihre Geschäfte online. Sie versenden Faxe per Mausklick und lassen sich während Ihrer Abwesenheit vom integrierten Anrufbeantworter vertreten.

Für die ganzen Menschen aus der „Generation Jamba“, die sich als „digital natives“ fühlen, weil sie ihr trojanifiziertes Telefon streicheln können, die dabei aber weder technisches Verständnis noch historisches Wissen haben, hier noch ein paar launige Erläuterungen: 177 DM aus dem Jahr 1998 entsprechen in ihrer gefühlten Kaufkraft rd. 180 Øre aus dem Jahr 2019, eher noch ein bisschen mehr. Mit dieser damaligen „Fahrkarte für das Internet“, deren Preisgestaltung an die Sonderangebote der Deutschen Bahn von heute erinnert und die man sich natürlich besser in den Slot als in die Tasche gesteckt hat, konnte man (bei Verdopplung seiner Verbindungskosten) zwei ISDN-Kanäle bündeln, um ein überaus berauschendes Datenautobahn-Reisetempo von 128 KBit/s zu erreichen. Das Herunterladen einer 5 MiB großen MP3-Datei — damals der neueste Schrei unter den Dateiformaten, weil man erstmals Musik in akzeptabler Zeit herunterladen konnte, so dass MP3 zum unmittelbaren propagandistischen Nachfolger des Todes der Musik durch die Compact Cassette wurde — dauerte so nur rd. fünfeinhalb Minuten, im Gegensatz zu den rd. zwölfeinhalb Minuten, die man bei optimaler Verbindung mit einem 56k-Modem hatte. Damals dauerte ein Musikstück, selbst in der Popmusik, allerdings noch oft deutlich länger als die heutigen drei Minuten, höre hierzu zum Beispiel Frozen von Madonna, Hijo de la luna von Loona, Everybody von den Backstreet Boys *schauder!* oder (ernstzunehmende Kotzwarnung!) How much is the fish von Scooter.

Der wichtigste Unterschied zwischen Surfen und Segeln besteht übrigens darin, dass man sich beim Segeln zumeist über Wasser befindet. Ich muss jetzt jedensfalls erstmal ein erträglicheres Stück Popmusik aus dem Jahr 1998 hören, denn damals gabs auch noch — von der Musikindustrie und den Dudelsendern weitgehend unbeachtet — Wolfsheim. Und etwas weniger poppig Covenant.

Leider haben viele Menschen nach dem Abgleich der vollmundigen Reklameversprecher aus solcher Siemens-Reklame mit der leidigen Wirklichkeit festgestellt, dass ihr einfach so während der Abwesenheit laufender „Anrufbeantworter“ einen schweren Ausnahmefehler 0E anzeigt, statt Anrufe anzunehmen, denn dieses gammlige Windows 95 war nicht gerade stabil. Selbst Bill Gates hatte beim fernsehöffentlichen Präsentieren des unverschämterweise als neue Windows-Version verkauften Bugfixes namens Windows 98 seine hochnotlächerlichen Momente. 😀

Unternehmen Zukunft

Surfen kann man auch woanders. InterRail statt Internet. -- Unternehmen Zukunft -- Deutsche Bahn -- DB

Und nein, diese Reklame aus dem Jahr 1996 ist keine Satire, die gab es wirklich. Viel hat sich seitdem nicht verändert — zumindest nicht bei der Deutschen Bahn. Wenn man vielleicht mal davon absieht, dass das mit dem irgendwo hinkommen bei der Deutschen Bahn inzwischen auch nicht mehr so gut funktioniert…

Golden Noble House

Werbung für das Geldspielgerät Golden Noble House aus dem Jahr 1998

Vermutlich so gleißend gülden, edel und mindestens so „gemütlich“ wie die dunkle, dreckige Spielhalle im Rotlichtviertel. Für die jüngeren: Die seltsamen Münzen im Hintergrund sind „Heiermänner“, wie das Fünf-Mark-Stück hier genannt wurde. Die haben zehn Gramm gewogen und hatten ungefähr so viel an Lebensmittelpreisen festgemachte Kaufkraft wie die deutlich leichtere, graue Fünf-Euro-Banknote bei ihrer Einführung rd. drei Jahre später, am 1. Januar 2002.

Riskanter rasen!

Werbung für ein Geldspielgerät aus einer Fachzeitschrift für Automatenaufsteller aus dem Jahr 1999: Rasanter riskieren! Der neue 'Gib Gummi'!

Ja, dieser NSM-Löwen-Geldspielautomat aus dem Jahr 1999 trug wirklich den gnadenlosen Namen „Gib Gummi“, obwohl „Gib Geld“ ein viel passenderer Name gewesen wäre. Er sah übrigens auch aus, der NSM-Löwen-Automat aus dem enthirnten Jahr 1999, und zwar so:

Foto des NSM-Löwen-Geldspielautomaten 'Gib Gummi' aus dem Jahr 1999

Der Wert einer Tankfüllung ließ sich mit Leichtigkeit binnen zweier Stunden verzocken.