Continental 2

Werbung für eine Musikbox aus dem Jahr 1962

Seid froh, dass die Werbung nur aussieht und nicht klingt, denn niemand will die Schlager der frühen Sechziger Jahre noch einmal hören. Diese hier:

Nana Mouskouri schon zum dritten Mal erste Favoritin der Schallplattenkäufer, dicht gefolgt mit nur geringem Punktunterschied von dem stetig vordringenden Gerhard Wendland. Zugkräftigste Titel mit starker Aufwärtstendenz in diesem Monat: »Schwarze Rose, Rosemarie«, »Mexico«, »Sauerkraut-Polka« und »Eine Insel für uns zwei«. Abgesehen von den Position 6 und 9 konnten sich die Vormonatsbestseller bei unwesentlichen Verschiebungen konstant in der Gunst der Schallplattenkäufer behaupten. -- 1. Weiße Rosen aus Athen, Nana Mouskouri -- 2. Tanze mit mir in den Morgen, Gerhard Wendland -- 3. Schwarze Rose, Rosemarie, Peter Kraus -- 4. Mexico, Bob Moore -- 5. Michael, The Highwayman -- 6. Sauerkraut-Polka, Gus Backus -- 7. Der Mann im Mond, Gus Backus -- 8. La Paloma, Freddy -- 9. Eine Insel für zwei, Connie Francis, 10. Zuckerpuppe, Bill Ramsey

Diese Musikbox sieht wesentlich besser aus, als die abgespielte Musik ertönt, wenn man ein paar Groschen einwirft. Und in diese Dinger wurden ständig Groschen eingeworfen.

Jet 100

Ausgesprochen peinliche Werbung für die Musikbox Jet 100 aus dem Jahr 1968. Seevend präsentiert: die Superbox, die garantiert in jeden Raum passt. Seeburg Jet 100.

Für die Jüngeren: Das obskure Gerät zur Linken der Zierfrau mit ihren gespreizten Beinen ist eine so genannte Musikbox. Diese Geräte kommen aus dem Vor-MP3-Zeitalter. Sie standen in jeder Kneipe und auch in vielen Restaurants. Man konnte zwanzig Pfennig einwerfen, auf einer großen Liste verfügbarer Schallplatten nachschauen, welche man hören wollte und auf etwas schwergängigen Tasten einen Code eingeben, was zur Folge hatte, dass eine unfassbar aufwändige Mechanik diese Schallplatte abspielte. Da diese Dinger meist am Dauerdudeln waren und ein durchschnittlicher Schlager aus der Sechziger-Jahre-Hölle rd. vier Minuten dauerte, brachten sie dem Aufsteller rd. 3 Mark in der Stunde ein. Also so ungefähr zwanzig Mark am Abend. Das klingt nicht nach viel Geld, aber so ein grüner Zwanzig-Mark-Lappen mit dem Bild einer Frau mit Magenverstimmungsgesicht auf der Vorderseite und einer Klarinette mit Geige auf der Rückseite hatte zu dieser Zeit eine erstaunliche Kaufkraft. Der ist nicht mit 20 Euro von heute zu vergleichen. Auch nicht mit 50 Euro. Aber dafür hat heute jeder einen Kopfhörer immer und überall dabei…