Die Gehirne müssen neu verdrahtet werden…

…und zwar vom Hörnerv an beginnend. Dann spielen sich auch Keyboards, auf denen meine Hand sich verlaufen würde. | Direktlink

Und wer, wenn er schon einmal dabei ist, völlig neu verdrahten will, verwende einfach ein Bohlen-Pierce-Keyboard für die entsprechende Stimmung: Ein Schwinungsverhältnis von 1:3, das ist eine Duodezime, wird in dreizehn Tonschritte geteilt, wobei nicht nur Tonschritte entstehen, die sehr gewöhnungsbedürftig sind, sondern auch einige konsonante Intervalle mit einfachen Verhältnissen zwischen den Frequenzen, die es in gewohnter europäischer Musik nicht gibt, während andere, etwa die Oktave, völlig fehlen. Obwohl die Konsonanzen „reiner“ sind als in temperierter Stimmung, klingt die musikalische Verwendung für meine Ohren irgendwo zwischen kakophonisch und psychedelisch. Trotzdem hätte ich mal Lust auf einige Experimente. Der Pitch beim MIDI hat ja eine Auflösung von 14 Bit, also einige hunderstel Cent. Das ist wesentlich genauer, als mein Ohr jemals sein wird, damit sollte ich also beliebige Skalen verwirklichen können. Aber dazu werde ich dieses Jahr nicht mehr kommen, ich werde nämlich dieses Jahr nur noch Popmusik und Schlager machen. 😉

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Alphorn-Fa

Diese „Quarte“ (auf halbem Wege zum Tritonus) ist zwar ein natürlicher Oberton (nämlich der elfte Ton der Naturtonreihe) und lässt sich deshalb auch auf einem Naturhorn wie einem Alphorn blasen, aber sie ist für zumindest für meine Ohren sehr… ähm… ungewohnt. Vor allem, wenn das Fa wie hier melodisch gleich nach dem Mi kommt, so dass ein für mich wirklich sperrig-schrill klingender Tonschritt entsteht, der sich wie anderthalb Halbtöne anfühlt. Ich wusste gar nicht, dass volkstümliche Instrumente bei intendierter Spielweise so schräg sein können. (Liebe Alphornbläser! Denkt auch an die Naturseptimen! Die könnt ihr genau so gut, und sie wirken auf bergferne Hörer wie mich auch nicht so derb dissonant, obwohl wir die auch in keiner diatonischen Leiter haben.) YouTube-Direktquartengebläse

Faustschlag

Der Schlussakkord des „Lacrimosa“ aus Mozarts Requiem hat die ungefähre Wirkung eines aus der Finsternis schnellenden, ansatzlos geschlagenen, geraden Fausthiebes in die Fresse. Man kann geradezu fühlen, dass der Tod beim Töten schneller als Mozart beim Komponieren war, und das ist vielleicht noch deprimierender als eine Musik, die wie ein in die aussichtslose Unendlichkeit wogendes, kein Ohr erreichendes und erweichendes Seufzen klingt… und verdammt noch mal, ich wüsste zu gern, wie Mozart selbst – anstelle der Stümper, die flugs die gebieterischen leeren Stellen füllten – das „Lacrimosa“ fertiggestellt hätte.

Der Versuch von Pánczél Tamás, das „Lacrimosa“ fertigzustellen, klingt zwar zunächst sehr ungewohnt, aber deutlich mehr nach Wolfgang Amadeus „Der Bass muss ficken“ Mozart als das „Lacrimosa“ aus dem im Regelfall aufgeführten Mozart-Requiem mit Süßmeyrs Verhunzungen beim Versuch einer Fertigstellung — sehr schön klingt dabei in meinen Ohren auch die Amen-Fuge zum Abschluss, die auf eine kurze Notiz Mozarts zu seinem Requiem zurückgeht und mit motivischem Material aus dem Requiem ausgestaltet wurde.

Fröhliche Auferstehung und heiteres Eiersuchen und Häschenkuscheln euch allen!

Tränenreicher Direktlink