Sportlich. Faszinierend. Bitte vom Wasser fernhalten!

Werbung des Großhändlers Nova Apparate für den Gottlieb-Flipper Surf Champ in einer Fachzeitschrift für Automatenaufsteller aus dem Jahr 1975 -- Das Gespräch der Branche: Der Flipper auf der Welle des Erfolgs -- Surf Champ -- wieder ein Gottlieb-Schlager mit Triple-Bonus, wie immer sportlich und faszinierend. -- Gottlieb, die größte Flipper-Produktion der Welt.

Ich habe in den Siebziger Jahren ja gern gesagt, dass Surfen fast das Gleiche ist wie Segeln, nur, dass man sich beim Segeln meistens über Wasser befindet, und ich habe diesen Spruch auch gern in den Neunziger Jahren noch einmal aus meiner Hirnkrypta herausgeholt, als alle davon sprachen, „im Internet zu surfen“, wenn sie das Web meinten. Von diesem Flipper freilich, da sprachen sie nicht alle. Obwohl er lt. dieser Reklame das „Gespräch der Branche“ auf der „Welle des Erfolgs“ sein sollte, hat man ihn in Deutschland kaum gesehen. Dabei hat er mit über 10.000 Geräten eine beachtliche Auflage gehabt. Vermutlich kam er nur in Deutschland nicht so gut an, wo die graue, kalte Nordsee die Hälfte der Urlaubszeit lang nur zum Schlicksurfen taugt, und wer möchte da schon platsch unter die Oberfläche geraten.

Ich selbst habe diesen Flipper nie gespielt. Das recht aufgeräumte Playfield sieht durchaus interessant aus, aber die Droptargets oben links sollte man besser mit dem linken Flipper backhand angehen, denn sonst hat man einerseits einen Winkel, der zu gefährlich zurücklaufenden Bällen führt, und andererseits steht bei ungenauen Schüssen (für die ich immer ein ganz großer Experte war) von rechts die Gumminoppe am Spinner im Wege, die zwar keine Punkte aufzählt, aber zuverlässig die Kugel in den Leerraum zwischen den beiden Flipperfingern zurückgibt. Die Seitenausläufe sehen ebenfalls fies aus, dass man die Kugel am besten davon fernhält. Eine typische drain machine der Siebziger Jahre also, mit machbar aussehenden Spielzielen, aber fiesem Design; ein Gerät, dass dafür da ist, einem das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Beinahe schade, dass ich den nie gespielt habe… na ja, zum Glück gibt es Sammler, die Videos zu YouTube hochladen. Oh, dieser Flipper ist ja deutlich zahmer als hier viel häufiger gesehene Geräte aus der Siebziger-Jahre-Gottlieb-Ära wie etwa Big Indian, Fast Draw, Jungle Queen oder Spirit auf 76. Ich glaube, der wurde hier so selten aufgestellt, weil die Spieler viel zu lange Spaß für ihr Geld hatten. 😉

Lawman

An Aufsteller gerichtete Englischsprachige Werbung für den Gottlieb-Flipper 'Lawman' aus dem Jahr 1971. -- Gottlieb's 2 Player Lawman -- A truly great 2 player Pinball packed with interesting and fun features for top profits in all locations -- Appealing count-off bonus scoring after each ball played -- Double-count bonus scored after last ball -- Straight row 10 drop targets score special when all hit -- Fascinating pinball lane on right side of playboard has six rollovers that score full bonus steps when lit -- Lower right lanes guides ball directly to flipper for sharpshooting at drop targets -- Three targets open and close ball-back gate for last minute added play -- D. Gottlieb & Co., 165 W. Lake Street, Northlake Illinois 60164, Phone 312/5627400, Telex: 72-8463

Wofür ist er da, der Gesetzeshüter, der hier so vergnügt-eifrig die Trommel seines Revolvers leerschießt?

[…] for top profits in all locations

Ah ja, ich verstehe! 😀

Der Eindruck, dass Teile des Spielfeldes eventuell 1977 für Centigrade 37 (ebenfalls von Gottlieb) „wiederverwertet“ wurden, täuscht vermutlich. Es ist nur eine oberflächliche Ähnlichkeit, die vor allem durch den sechsfachen Bahnen-Apparat an der rechten Seite geprägt wird. Ansonsten sitzen die Lampen und sonstigen Spielfeldelemente völlig anders. Bei einem richtigen „Recycling“ eines… ähm… nicht ganz so erfolgreichen Spieles wäre eine viel größere Ähnlichkeit zu erwarten. Außerdem würde ich als begeisterter Flipperspieler der alten Zeiten viel eher erwarten, dass Centigrade 37 nicht so gut ankam — denn der Abstand zwischen die Flipperfingern ist dort so groß und der seitliche Kugelauslauf so unfair, dass weder lustige Backglass-Animationen noch das lustige Thermometer darüber hinwegtäuschen konnten, dass es sich um eine münzenfressende „drain machine“ handelt.