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Sehr dadaistisch anmutendes Detail aus eine Reklame für den Bergmann-Geldspielautomaten Record Serie 90 aus dem Jahr 1975, in seiner Komposition unbeschreiblich...

Wer jetzt angesichts dieses neckischen Details aus einer Reklame aus der Mitte der augenwürgreizfördernden Siebziger Jahre denkt, dass das damit beworbene Geldspielgerät vielleicht ein bisschen hübscher ausgesehen hat: Nein, das ist nicht der Fall. Tatsächlich ist dieser Geldspielautomat von Bergmann, der, wenn man einmal von der Gewinnabtastung mit ständig auf der Platine herumschrubbernden Schleifkontakten absieht, seinem Mitbewerb von Wulff und NSM technisch überlegen war, vermutlich das hässlichste deutsche Geldspielgerät — zumindest so lange, bis ADP/Gauselmann um das Jahr 1982 ein paar unfassbare Geschmacksverirrungen der Marke „Merkur Zauberblume“ und „Merkur Glücksrad“ auf dem Markt erbrach, bei denen man Sehnsucht nach den geschmacklosen Siebzigern bekam. Nein, ich suche dazu jetzt keine Bilder raus. Ich will diese Anblicke, die damals in wehrlose Kneipen, Imbisse und Restaurants gestellt wurden, vergessen.

Erfreute Aufsteller und Spieler

Anzeige in einem Fachmagazin für Automatenaufsteller aus dem Jahr 1965 -- 10 Jahre senkrechtes Dreiwahlenzsystem mit Direkt-Antrieb -- über 20.000 Stück haben bisher Aufsteller und Spieler erfreut -- Neomat sesam -- altbewährt -- zeitlos -- spielfreudig -- doppelter Nachstart -- technisch verbessert -- jetzt aus neuer Produktion hergestellt mit altgeschulten Fachkräften -- ein EIFEL-Gerät -- Fragen Sie ihren Fachhändler: Hermann R. Volbracht Nachf. -- 3 Hannover, Vahrenwalder Straße 272 -- Telefon 63 40 04 -- Telex 09-22 124, Drahtwort: Hannoautomat -- 28 Bremen, Gröpelinger Heerstraße 133, Telefon 61 20 31 -- 48 Bielefeld, Kammermühlenweg 38, Telefon 6 73 19

Leider ist das auf dem kleinen Bild kaum sichtbar, aber an diesem Geldspielgerät im schörkellosen und doch experimentierfreudigen Design der Sechziger Jahre bestechen nicht nur die aparten Senkrechtstreifen auf der Scheibe, sondern auch der sichtbar heftig die Münzen erbrechende Goldesel. Ich möchte wetten, dass die optisch gar nicht dazu passende Einfassung der Steuertaste und des Münzeinwurfes sowie die Auszahlschale aus Messing noch als Restbestände aus den Fünfziger Jahren im Lager herumlagen und einfach weiter verbaut wurden.

Ein besser erkennbares Foto vom Design des Gehäuses und der Scheibe findet sich relativ mühelos im Internet.