Der Schatz des Pharao

Werbung für das Hellomat-Geldspielgerät 'Pharao' aus dem Jahr 1976 -- Hello, hier ist der Schatz des Pharao -- Der neue Spielautomat von Hellomat, für den Spielfans auf die Pyramiden gehen

In den Siebziger Jahren ein seltener Anblick. Leider, denn der Automat sah sehr viel geschmackvoller (so weit man das über derartige Geräte überhaupt sagen kann) aus als diese Reklame. Aber das hübscheste Design nützt nicht viel, wenn Spieler bemerken, dass es sich um eine eher geizige Kiste handelt… und auch die kecke Idee mit den Pyramiden, die über die dritte Walze gefüllt werden können und eine Serie von drei Spielen geben, wenn eine der Pyramiden voll ist, hat es nicht rausgerissen. Auf der dritten Walze sind neun Ziffern, ein ägyptisiernd gestaltetes Symbol, das eine eventuelle Seriengewinnkombination aufwertet und zwei Kamele. Wenn eines der Kamele erscheint, werden die Pyramiden gelöscht. Und je voller die Pyramiden waren, desto weniger von den Ziffern haben neue Felder erleuchtet. Es war durchaus möglich, zwanzig Deutsche Mark — das war eine schöne grüne Banknote, auf deren Rückseite eine Violine und eine Klarinette an die Lieblichkeit der Musik erinnern wollten, während auf der Vorderseite eine Frau ein Gesicht zog, das sich am trefflichsten durch eine Magenverstimmung erklären ließ — in eine dieser Kisten zu stecken, ohne auch nur in die Nähe einer solchen 3er-Serie über die Pyramiden zu kommen. Und weil die Kiste recht „geizig“ war, gab es eben auch sonst nicht viel.

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Bell-o-Matic

Ein Spielautomat besonderer Art -- Mills Bell-o-Matic Slot Machine -- Seit vielen Jahren in Amerika bekannt -- Die orig. amerikanische Mills Slot Machine jetzt auch in Deutschland -- Ein Produkt amerikanischer Erfahrung und deutscher Präzisionsarbeit -- In Deutschland hergestellt unter besonderer Berücksichtigung des deutschen Gesetzes für Spielautomaten -- Überzeugen Sie sich selbst! -- Ken Roberson, Generalvertreter, Mills Bell-o-Matic -- Hauptlager und Ausstellung: 6050 Offenbach/M-Bieber -- Bieberer Straße 255 -- Tel.: 89 19 97

Die „besondere Berücksichtigung“ des deutschen Gesetzes für Spielautomaten sah im Jahr 1967 übrigens folgendermaßen aus:

  • Verlangsamung der Spieldauer von rd. 2½ Sekunden auf 15 Sekunden durch Verwenden eines Ventilators mit mehr Luftwiderstand im Timer.
  • Reduktion der Auszahlquote von rd. 92% auf rd. 65%, damit auch keine Freude beim Gewinnen aufkommt.
  • Keine Gewinne über 1,- DM.

Das wird auch für minderbegabte Ingenieure kein so großes Problem dargestellt haben. Leider hat das deutsche Gesetz für Spielautomaten kein Höchstgewicht für den Kasten vorgeschrieben, sonst wäre der Groschenfresser vielleicht etwas leichter geworden. Die Zweitverwertung ausgemusterter US-amerikanischer Slotmachines fand ein schnelles Ende, als die Spielsysteme deutscher Geräte komplexer wurden. Es gab zwar noch Versuche, Sonderspielserien in reiner Mechanik zu implementieren, etwa beim Redo von Roberson, aber der Aufwand für einen solchen Umbau ist signifikant höher, so dass sich in der Folgezeit die elektromechanische Bauweise vollständig durchsetzte.

Golden Noble House

Werbung für das Geldspielgerät Golden Noble House aus dem Jahr 1998

Vermutlich so gleißend gülden, edel und mindestens so „gemütlich“ wie die dunkle, dreckige Spielhalle im Rotlichtviertel. Für die jüngeren: Die seltsamen Münzen im Hintergrund sind „Heiermänner“, wie das Fünf-Mark-Stück hier genannt wurde. Die haben zehn Gramm gewogen und hatten ungefähr so viel an Lebensmittelpreisen festgemachte Kaufkraft wie die deutlich leichtere, graue Fünf-Euro-Banknote bei ihrer Einführung rd. drei Jahre später, am 1. Januar 2002.

Diamant und Rheingold

Eine an Aufsteller gerichtete Werbung für NSM-Geldspielgeräte aus dem Jahr 1963: Die große Nachfrage nach unseren ROTAMINT-Typen DIAMANT und Rheingold zeigt uns, dass die Aufstellerschaft ihren Vorteil zu wahren weiß! Die Rotamint ist das Rückgrat jeder gewinnbringenden Aufstellung -- heute, wie vor 10 Jahren!

Das Gerät im Bild ist übrigens die Rotamint Diamant — die Rotamint Rheingold sieht nicht ganz so fürchterlich nach den Fünfziger Jahren aus, wenn dort auch noch ein paar aus dem Rekordjahrzehnt der Geschmacklosigkeit übriggebliebene Messingteile am Gehäuse verbastelt wurden. Was Diamant und Rheingold aber gemeinsam hatten, war der traumatisierende mehrtönige Gewinngong bei Gewinnen ab sechzig Pfennig, der in der Nähe von Friedhöfen sicherlich den einen oder anderen Toten aufgeweckt hat.

NSM hat im Jahr 1963 übrigens häufiger Werbung für beide Gerätetypen in Fachzeitschriften für Aufsteller abdrucken lassen, um darin nur die Rotamint Diamant abzubilden. Scheinbar ging diese Kiste nicht so gut weg.