Rotator

Geldspielgerät Rotator von Lindl&Co Gerätebau GmbH aus dem Jahr 1968

Manchmal brachten die Sechziger Jahre gar eigenartige Gestaltungsideen hervor. Bei Lindl & Co. haben sie sich gesagt: Wenn wir schon Wulff-Geräte umbauen und das Gehäuse im großen und ganzen so lassen müssen, dann sollten wir doch wenigstens bei der Scheibe sehr anders aussehen. Also machen wir dort einfach zwei Gruppen konzentrischer Kreise und färben die dabei entstehenden Flächen abwechselnd rot und blau ein. Eine weitere kecke und in dieser Form niemals wieder gesehene Designidee war es, den Namen des Geldfressers in der damals generell sehr beliebten Futura zu setzen, und in den beiden kreisrunden „O“ jeweils ein Zeigerzählwerk für die Münzvorlage (links) und eines für die Serienspiele (rechts) unterzubringen. Nach unbestätigten Gerüchten aus Kelheim, den damaligen Unternehmenssitz der Lindl & Co. Gerätebau GmbH, soll angesichts des optischen Zusammenspieles von Holzgehäuse und Scheibendesign der Blindenhund des Gestalters mehrfach undefinierbare Jaulgeräusche von sich gegeben haben, die den Eindruck erweckten, dass er sein blindes Herrchen beneidete.

Übrigens: Das Gerät ist ziemlich selten. Es war wohl nicht so ein großer Erfolg…

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Brillant

Foto aus einer Werbung für das NSM-Geldspielgerät Rotamint Brillant aus dem Jahr 1972

Übrigens ist die Rotamint Brillant das einzige „klassische“ NSM-Geldspielgerät mit schwarzen Scheiben, die sich im hellen und schlichten Design ausgesprochen hübsch machen. Und auch die neben den längst üblichen Geldbeträgen draufgedruckten Symbole wirken heute eher ungewöhnlich. Neben der unvermeidlichen Sieben und der damals von NSM gern verwendeten Acht und neben der Abbildung von zwei 1-DM-Münzen gab es auch ein Schwein und einen Fliegenpilz:

Die Scheiben der Rotamint Brillant von NSM

Diese waren aus einen für mich nicht nachvollziehbaren Grund zwar optisch unterschiedliche, aber technisch gleiche Symbole. Jede (übrigens gar nicht so seltene) Kombination aus Pilzen, Schweinen und Joker brachte den Zwei-Mark-Gewinn, und wenn er gar unmittelbar nach einem 40-Pfennig-Gewinn kam (was ein paar entsprechende Lichtfelder einschaltete), gab es zusätzlich die begehrte 10er-Serie mit ihren Verlängerungsmöglichkeiten, die aber auch ohne zusätzliches Glück im Durchschnitt einen Gewinn von zehn Mark einbrachte. Im Jahr 1972 entsprach das einer Kaufkraft von heute geschätzt rd. fünfzehn Euro.

Die Idee besonderer Symboles für 2-DM-Gewinne, die nach einem besonderen Ereignis zur 10er-Serie aufgewertet werden können, hat NSM übrigens im Nachfolgegerät „Rotamint Super Bingo“ noch einmal aufgegriffen, nur, dass die dortige Umsetzung daran krankte, dass diese Gewinne deutlich fühlbar seltener waren. Zudem wurden die lustigen Schweine durch Hufeisen ersetzt. Die giftigen Pilze durften hingegen bleiben.

Rheingold

Werbung für das NSM-Geldspielgerät Rotamint Rheingold aus dem Jahr 1963

Im Jahr 1963 hat sich NSM noch einen Hauch Fünfziger Jahre erlaubt, vor allem in der Gehäuseform und in den unsäglichlichen Messingteilen, aber die Scheibengestaltung ist schon klar in den Sechziger Jahren angekommen. Das Ergebnis ist durchaus interessant anzuschauen. Die Münzen im Hintergrund der Reklame mögen an eine Zeit erinnern, in der das Geld noch Kaufkraft hatte und einigermaßen hübsch aussah.

Was man auf dem Bild nicht sehen kann, ist der mehrtönige, außerordentlich laute Gong, der von diesem NSM-Groschenfresser bei Gewinnen ab sechzig Pfennig abgespielt wurde — und oft in den lichtlosen Bierdunstkammern „Hau wech“ als so störend bei der kollektiven Sedierung empfunden wurde, dass Wirte kurzerhand den Kasten aufschlossen und das Kabel zum Gong durchknipsten. Das Geräusch der Groschen, die heiter in die Schale prasselten, war ja auch vernehmbar genug. Leider habe ich bei einer quicken Suche auf YouTube keine Aufnahme des Gongs gefunden. Bei diesem Rotamint Bingo eines niederländischen Sammlers aus dem Jahr 1964, der ursprünglich den gleichen Gong verbaut hatte, war offenbar jemand so gnädig zu den Ohren seiner Mitwelt, den Krachmacher zu deaktivieren — und in späteren Typen wurde mutmaßlich auf Wunsch der Aufsteller von NSM eine eher leise Ding-Dong-Türklingel verbaut, die den Gewinn zwar akustisch anzeigte, aber nicht mehr den Eindruck erweckte, damit auch die Toten aufwecken zu wollen.

Die neue Spielattraktion

Die neue Spielattraktion aus dem Hause NSM bringt Super-Spielvergnügen! -- Die royal-super bietet die weiterentwickelte bewährte Technik der exquisit royal kombiniert mit einem noch effektvolleren und übersichtlicheren Spielsystem, das diesem Gerät den Erfolg beim Spieler und damit beim Aufsteller sichert! -- Ein starker Spielanreiz geht nicht nur von den drei superschnellen vierteiligen Lichtjackpots aus, sondern auch von den Sonderspiele-Lichtfeldern, von denen jedes Verlängerungsmöglichkeiten -- im Höchstfall bis zu 100 Sonderspiele -- signalisiert. -- Unterbrechen der Sonderspiele: -- Die dem Spieler erstmals gebotene Möglichkeit, den Ablauf der Sonderspiele selbst zu bestimmen, ist ganz zweifellos ein kassensteigernder Spieleffekt. Denn dadurch, daß der Spieler den Ablauf der Sonderspielserien nach Belieben unterbrechen und Normalspiele dazwischenschalten kann, verschafft er sich ein längeres indivudelles Spielerlebnis. -- Rotamint Royal Super

Dieser „kassensteigernde Spieleffekt“ wurde übrigens danach nie wieder in ein NSM-Gerät verbaut, scheint also bei weitem nicht so erfolgreich (oder auch nur beim Spieler akzeptiert) gewesen zu sein, wie es der von NSM bezahlte Werber hier nach einer extragroßen Nase Kokain herbeihalluziniert hat. Es ist vielleicht effektvoll, aber nicht besonders lustig, wenn man beim Zählerstand 2 die Sonderspiele unterbricht und ein Normalspiel dazwischenschaltet und wenn dann in diesem Spiel die Kombination 7-Joker-7 einläuft, die im Sonderspiel beim Zählerstand 2 eine Verlängerung um hundert Sonderspiele und damit einen Geldgewinn von rd. 120 DM gegeben hätte.