Abt.: Sackgassen der Geldspielautomatenindustrie

ADP-Geldspielgerät 'Casino' aus dem Jahr 1996

Casino ist das erste (und bislang auch das einzige) „Handy-Gerät“. Der Automat besteht aus zwei Einheiten: Zum einen aus der sogenannten Basiseinheit mit der Münzverarbeitung, zum anderen aus dem eigentlichen Spielgerät. Das eingeworfene Geld wird in der Basiseinheit auf einem Speichermodul aufgebucht. Dieser „Goldene Schlüssel“ wird dann in das Spielteil gesteckt.

Die Stromversorgung erfolgt entweder durch Akkubetrieb, Netzteil (diese Varianten gestatten es, das Gerät an einem beliebigen Ort zu spielen) oder durch ein Kabel, das die Basisstation mit dem mobilen Teil verbindet. Die Auszahlung der gespeicherten Beträge erfolgt durch die Basisstation

Da war es selbst den dümmsten Zockern noch zu offensichtlich, wie ihnen mitgespielt wird und dass der Walzenapparat keineswegs zur Ermittlung eines Spielergebnisses, sondern zur Anzeige des Ergebnisses eines Rechenvorganges dient. Einmal ganz davon abgesehen, dass sich die Offensichtlichkeit der Abzocke mit einem der öderen Spielsysteme von ADP verband — neben den Risikoleisten gibt es keine besonderen Spielelemente. Auf eine Reklame der Marke „Ab jetzt müssen sie ihr Spiel nicht mehr unterbrechen, wenn sie mal aufs Klo müssen“ haben die Werber im Brote von Paul Gauselmann verzichtet. Dass diese dümmsten Zocker allerdings geglaubt haben müssen, dass in den „großen Kisten“ etwas ganz anderes geschieht… na ja, Intelligenz benötigt man halt nicht, wenn die Hand den Weg zum Münzeinwurf findet, weil man Eintritt für sein eigenes Kopfkino bezahlt.

Advertisements

Ad astra: Zu den Würfeln!

Wulff-Geldspielgerät 'Astra' aus dem Jahr 1962

Was ich gemeint habe, als ich gestern etwas kryptisch von der klareren, in ihren dekorativen Elementen weniger erstickt wirkenden Formensprache der Sechziger Jahre schrieb? Zum Beispiel dieses „wunderschöne“ Geldspielgerät „Astra“ von Wulff (damals noch ohne Bally) aus dem Jahr 1962, dem es am Anfang der Sechziger durchaus gegönnt werden darf, in Gehäuseform und in seinen Messingteilen noch etwas Fünfziger zu atmen, aber dabei doch schon ein schlichteres und klareres Design zu haben. Nach Einwurf von 10 Pfennig (damals noch nicht Cent) rotierte der Zeiger dreimal und blieb stehen, die Punktzahlen wurden addiert, die Zwischensumme wurde auf dem Tableau über dem Zeiger leuchtend angezeigt, der Gewinn war direkt in diesem Tableau ablesbar. Ein Spiel, das sich auch einem völlig besoffenen Kneipengast sofort erschloss, ohne dass der Schummrigkeit der Lichverneinungsstube „Hau wech“ zum Trutze ein Blick in kleingedruckte Gewinnpläne geworfen werden musste, die irgendwo in einem Fünfziger-Jahre-Ekelbarock aus Holz, Messing, Formwillen und schreiender Geschmacklosigkeit nachzulesen waren. Selbst der Clown als wichtigstes dekoratives Element auf der Scheibe wirkt zwar etwas schrill, aber keineswegs scheußlich oder misslungen. Der letzte gruslige Hauch der Fünfziger ist hier — neben den schon erwähnten Messingelementen — dass irgendwo bei Wulff noch eine Tankladung goldener Farbe für die Hintergrundfarbe der Scheibe herumstand und gleich eingesetzt wurde.

Die Wulff-Geräte aus dieser Zeit sind zwar technisch etwas „verfrickelt“, aber alles in allem bemerkenswert robust und können durchaus noch heute funktionieren (wenn man mal davon absieht, dass etwas Mühe in die sich inzwischen auflösenden Rutschkupplungen gesteckt werden muss). Ein Spiel am Astra sieht so aus:

Wie es Menschen gelungen ist, die Geschmacklosigkeit der Fünfziger Jahre (die sich keineswegs nur im Design von Geldspielautomaten, sondern auch in Prilblumen, Plastikküchen, Nierentischen und Schwanenhalslampen zeigt) zu überleben, ohne psychische Schäden davonzutragen, ist mir ein Rätsel. Es ist mir allerdings auch ein Rätsel, wie ich selbst die pulsierende Hirnlosigkeit der Achtziger Jahre überstanden habe, ohne dem ständigen sozialen Druck in Richtung Dummheit nachzugeben oder mich aufzuhängen.

Neomat Duola

Das Geldspielgerät 'Neomat Duola' von Hoffmann aus dem Jahr 1959

Gruslig, gruslig war der Geschmack der Fünfziger Jahre — aber zwischen dem verspiegelten Glas, dem glänzenden Messing und der irregulären Scheibenform macht sich in den weißen und roten Streifen auf der Scheibe sowie in den Umrandungen der Ablesefenster schon eine kleine, sehr leise Ahnung der entstehenden, klareren, in ihren dekorativen Elementen weniger erstickt wirkenden Formensprache der Sechziger Jahrer breit.