Fun-Fest

Fun-Fest lasst die Puppen tanzen, treibt die Zahlen in die Höhe mit diesem hochzählenden Superflipper von Williams. Und das ist neu: Bei jedem Ballwechsel - Fun-Fest hat fünf Kugeln - wird der erkämpfte Spitzenbonus gutgeschrieben. Der Einwurf: 50 Pfennig für ein Spiel, 1 Mark für 2 Spiele und 2 Mark für 5 Spiele. -- Fun-Fest ist ein Flipper der Spitzenklasse -- Seevend

Natürlich konnte man diesen Flipper auch auf drei Kugeln pro Spiel stellen — und nachdem die Menschen den erhöhten Preis von fünfzig Pfennig statt zwanzig Pfennig für ein Spiel gefressen hatten, geschah das auch überall. Ich habe niemals einen Fun-Fest mit einem Fünf-Kugel-Spiel in der BRD gesehen. Mit den Deutschen kann man es eben machen. Oder, um es mit dem Hersteller eines anderes Produktes aus dem gleichen Jahr 1973 zu sagen:

Die Vorrats-Packung -- Die Verkaufspreisklasse von DM 1,– ist überholt. Nur ein Beispiel: Wer kann für DM 1.– heute noch Zigaretten ziehen? Dagegen bringt ihnen die Preisklasse von DM 2,– doppelten Umsatz und doppelte Rendite. Die neue Vorratspackung Fromms 'duett' und Blausiegel 'hauchdünn extra' mit jeweils 4 Condomen Inhalt bietet dem Verbraucher und ihnen als Händler überzeugende Vorteile.

In diesem Sinne wünsche ich den vielen Lebensverbrauchern in der BRD auch weiterhin viel Spaß bei ihren überzeugenden Vorteilen. Die werden von Jahr zu Jahr größer und nur immer größer!

Cue-Tease

Detail mit der Flipper-Abbildung aus einer an Aufsteller gerichteten Reklame für den Bally-Flipper Cue-Tease aus dem Jahr 1963

Obwohl es für diesen Bally-Flipper aus den Sechzigern, den ich übrigens heute morgen das erste Mal in meinem Leben bewusst in einer kleinen Abbildung gesehen habe und gleich mal recherchieren musste, eigens Reklame in deutschen Aufsteller-Fachmagazinen gab, ist er mit seiner 500er-Auflage eher ein seltenes Gerät. Der ging wohl nicht so gut in den Spielhallen… 📉

Aber ehrlich gesagt, die Abbildungen des Spielfeldes in der Internet Pinball Database sehen auch brutal und geldfressend aus. Das Ding war eine reine drain machine, die im passenden Winkel von den Slingshots (gibt es da schon ein gängiges deutsches Wort für) bedienten Seitenausläufe sehen breit und schwer entrinnbar aus, und jedes Ziel ist gefährlich, wenn man darauf zielt und nicht genau trifft. Die 3 ist sogar gefährlich, wenn man gut und genau trifft. Der Leerbereich zwischen den beiden Flipperfingern ist selbst für damalige Verhältnisse riesig. Die zwanzig Pfennig, die damals ein oft nur zwei Minuten dauerndes Spiel in der BRD kostete, waren richtig viel Geld. Für sechs bis sieben Pfennig gabs ein Brötchen beim Bäcker. Also ein richtiges Brötchen, wo einer morgens in aller Herrgottsfrühe aufgestanden ist, um ein richtiges Brötchen zu backen. Das waren auch leckere Brötchen. Nicht so ein schnell von angelernten Billiglöhnern nach SPD-Arbeitsmarktvorstellungen aufgebackenes Industrieformteigstück wie in der „Back-Factory“ oder im Supermarkt.

Nein, ich erkläre jetzt nicht das englische Wortspiel im Namen dieses wohl völlig vergessenswürdigen Spielgerätes. Aber ich habe noch nie von einer Pool-Billardvariante mit fünf Kugeln gehört, die Bally hier erfunden hat, um ein Spiel mit fünf Zielen irgendwie über „Cue-Tease“ mit Frauenfleisch assozieren zu können — um dann aber auf dem Backglass des gleichen Flippers den Künstler eine bis auf die Mädchenärsche auf dem Tisch ganz normale Billardvariante zeichnen zu lassen. Das ist selbst für die von Emanzipationsbewegungen recht unbeleckten Sechziger Jahre und sogar für Bally-Verhältnisse wirklich schlecht und lieblos hingeklatscht.

Oh, YouTube ist manchmal eine Goldgrube: Keine weiteren Fragen zum Spielablauf.

Sportlich. Faszinierend. Bitte vom Wasser fernhalten!

Werbung des Großhändlers Nova Apparate für den Gottlieb-Flipper Surf Champ in einer Fachzeitschrift für Automatenaufsteller aus dem Jahr 1975 -- Das Gespräch der Branche: Der Flipper auf der Welle des Erfolgs -- Surf Champ -- wieder ein Gottlieb-Schlager mit Triple-Bonus, wie immer sportlich und faszinierend. -- Gottlieb, die größte Flipper-Produktion der Welt.

Ich habe in den Siebziger Jahren ja gern gesagt, dass Surfen fast das Gleiche ist wie Segeln, nur, dass man sich beim Segeln meistens über Wasser befindet, und ich habe diesen Spruch auch gern in den Neunziger Jahren noch einmal aus meiner Hirnkrypta herausgeholt, als alle davon sprachen, „im Internet zu surfen“, wenn sie das Web meinten. Von diesem Flipper freilich, da sprachen sie nicht alle. Obwohl er lt. dieser Reklame das „Gespräch der Branche“ auf der „Welle des Erfolgs“ sein sollte, hat man ihn in Deutschland kaum gesehen. Dabei hat er mit über 10.000 Geräten eine beachtliche Auflage gehabt. Vermutlich kam er nur in Deutschland nicht so gut an, wo die graue, kalte Nordsee die Hälfte der Urlaubszeit lang nur zum Schlicksurfen taugt, und wer möchte da schon platsch unter die Oberfläche geraten.

Ich selbst habe diesen Flipper nie gespielt. Das recht aufgeräumte Playfield sieht durchaus interessant aus, aber die Droptargets oben links sollte man besser mit dem linken Flipper backhand angehen, denn sonst hat man einerseits einen Winkel, der zu gefährlich zurücklaufenden Bällen führt, und andererseits steht bei ungenauen Schüssen (für die ich immer ein ganz großer Experte war) von rechts die Gumminoppe am Spinner im Wege, die zwar keine Punkte aufzählt, aber zuverlässig die Kugel in den Leerraum zwischen den beiden Flipperfingern zurückgibt. Die Seitenausläufe sehen ebenfalls fies aus, dass man die Kugel am besten davon fernhält. Eine typische drain machine der Siebziger Jahre also, mit machbar aussehenden Spielzielen, aber fiesem Design; ein Gerät, dass dafür da ist, einem das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Beinahe schade, dass ich den nie gespielt habe… na ja, zum Glück gibt es Sammler, die Videos zu YouTube hochladen. Oh, dieser Flipper ist ja deutlich zahmer als hier viel häufiger gesehene Geräte aus der Siebziger-Jahre-Gottlieb-Ära wie etwa Big Indian, Fast Draw, Jungle Queen oder Spirit auf 76. Ich glaube, der wurde hier so selten aufgestellt, weil die Spieler viel zu lange Spaß für ihr Geld hatten. 😉