An der Frischfleischtheke im Kaffeegeschäft

Werbung aus dem Jahr 1971. -- KAISER'S der Frische wegen -- Schweine-Pfoten 500 g 0,09 DM -- Kleinfleisch 500 g 0,49 DM -- Eisbein 500 g 1,78 DM -- Frische Bratwurst 500 g 2,48 DM -- Rollbraten 500 g 3,98 DM -- Schweine-Schnitzel 500 g 4,98 DM -- Halbe Schweine (auf Wunsch zerlegt) 500 g 1,98 DM -- ...und noch 3 % Rabatt -- KAISER'S DER FRISCHE WEGEN -- Kaiser's Kaffee-Geschäft AG

Für alle, die glauben, dass der Deppen’apostroph eine Errungenschaft des Internetzeitalters sei: „Kaiser’s Kaffee-Geschäft AG“ hatte ihn schon 1971. Macht aber nichts, denn Tengelmann hat schließlich Kaiser’s gekauft, und Edeka hat schließlich Tengelmann gekauft. Und die Rabattmarken für die 3 % Rabatt gibts auch nicht mehr, sie waren viel zu datenschonend, haben sie auch ihre ÜberwachungsCard dabei…

Frühstück dich fitt!

Frühstück dich fit für den Tag. -- Wer den Alltagsstreß erfolgreich bestehen will, muß fit sein. Ein Fitness-Rezept heißt Wurst: und zwar morgens zum Frühstück. Denn Wurst hat alle guten Kräfte vom Fleisch: Eiweiß, wertvolle Vitamine und lebenswichtige Mineralstoffe. Wer Nerven und Kondition braucht, sollte darum mit einem kräftigen Wurst-Frühstück vorsorgen. Das hält fit und gibt Kraft für den ganzen Tag. Wenn Sie mehr über Wurst, Schwein, Rind und Lamm wissen wollen, schicken wir Ihnen gern unser Fleischlexikon. Coupon einsenden genügt. -- Essen aus Deutschland: Fleisch ist ein Stück Lebenskraft.

Mit Gruß an alle Tönnies-Mitarbeiter! Ihr müsst einfach mehr Wurst frühstücken, dann werdet ihr auch nicht krank und bleibt am Leben! 👋

(Wer es durch die Gnade seiner späten Geburt nicht mehr mitbekommen hat: Diese Reklame lief von den Sechziger Jahren bis in die Neunziger Jahre hinein in ganzseitigen Anzeigen in so ziemlich jeder Zeitung und Zeitschrift. Es war unmöglich, diese primitiv-magische „Lebenskraft“-Reklame in ihren vielen lustigen Behauptungen nicht wahrzunehmen. Sie hing auch an Litfasssäulen und Plakatständern, und sie klebte in Straßenbahnen und Bussen. Kaum wurde den Menschen gesagt, dass sie nicht mehr essen, sondern sich ernähren sollten, dass sie jetzt mit dem großen Essen nach Zahlen beginnen sollten, damit sie auch schlank, gesund und sexy seien, schon fing diese Kampagne an. Und in den Achtzigern war sie unerträglich, penetrant, wie eine chinesische Wasserfolter mit immer wieder tröpfelnden Dummheitsreizen, mit dem Ziel, dass die gepeinigten Rezipienten einfach ihr Gehirn auswerfen. Warum sollten die Fleisch-„Produzenten“ ihre Kunden auch besser als die Viecher behandeln? Denn die ganze Zeit über war Fleisch das Skandal-Lebensmittel Nummer Eins.)