Vom sich festsetzenden Zweifel

Auch heute noch gibt es Verkündiger, die gern eine Liste der gegenwärtigen Katastrophen vorlesen und diese dann in Beziehung setzen zur Wiederkunft Christi. Und eine solche Liste kann sehr eindrucksvoll sein. Die Gemeinde geht dann nach Hause im Bewußtsein: Jetzt ist es bald soweit. Und dann vergeht ein Jahr nach dem anderen, und nichts geschieht. Dann können selbst Gläubige zu Spöttern werden! Wir gebrauchen diesen Ausdruck nicht mehr so häufig, sondern wir sprechen von Skeptikern, von solchen, die die biblische Botschaft nicht mehr so ganz ernst nehmen. Und wir müssen auch feststellen, daß viele, vor allem junge Menschen, die Gemeinde verlassen oder zumindest am Rande stehen. Das hat sicherlich viele Gründe, aber einer ist bestimmt auch der, daß in der Verkündigung zu oft an der falschen Stelle Hoffnungen geweckt worden sind. Wenn auf einer großen Konferenz sehr eindrucksvoll über die Wiederkunft Christi gepredigt worden ist, die Zeichen der Zeit als Katastrophenkatalog plastisch vorgeführt worden sind, dann ging man eben nach Hause im Gefühl: Jetzt ist es bald soweit. Und wer das mehrmals erlebt hat, kann schon in die Gefahr geraten, diese Art von Verkündigung in Zweifel zu ziehen. Wenn der Zweifel sich aber erst einmal festgesetzt hat, macht er auch vor anderen Themen nicht halt.

Und deshalb, Herr Prediger, verzichte in deiner Verkündigung besser auf irgendwelche überprüfbaren Angaben über kommendes Wirken und Geschehen, damit nicht ein haltloser Zweifel die ganze so mühsam von dir in Hirn und Psyche gepflanzte Religion wegnasche. Denn das ist schlecht für dein Geschäft. Wenn du ein politischer Prediger bist, wende diesen Ratschlag äquivalent an. Der Aufschwung mit Wohlstand für alle wird zwar irgendwann einmal kommen, aber bis dahin wird gespart und geopfert und verarmt und hemmungslos ausgebeutet. Bei dir hingegen kommt die gute Zeit ganz schnell und früh und prächtig an.

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Hier! Beweise! Beweise!! Beweise!!!

Zwanzig Zeitbeweise dafür, daß im Jahre 1914 - 1915 die Herrschaft des Bösen aufhören und die irdische Phase des Reiches Gottes aufgerichtet werden wird. -- 1.Mose 15,9. Das Gesamtalter der von Abraham geopferten Tiere betrug elf Jahre, welche, prophetischerweise nach dem Maßstabe von einem Jahr für einen Tag angewandt, 3960 Jahren entsprechen, oder der Länge der Zeit von dem Datum der Aufrichtung des Abrahamitischen Bundes im Jahre 2045 vor Christo bis zum Jahre 1915 nach Christo. -- Jes. 40,2. Eine der Prohezeihungen , welche dartun, daß das Jüdische Zeitalter und das Evangelium-Zeitalter von gleicher Länge sein würden, und daß daher das Evangelium-Zeitalter im Jahre 1914 enden wird. -- Jer. 16,18. Eine weitere Prophezeihung, welche dartut, daß das Jüdische und das Evangelium-Zeitalter von gleicher Länge sein würden und daß das letztere im Jahre 1914 enden wird. -- Sach. 9,12. Eine weitere Prophezeihung, welche dartut, daß das Jüdische und das Evangelium-Zeitalter von gleicher Länge sein würden, und daß das letzteres im Jahre 1914 enden wird. -- 4.Mose 9,11. Die Tatsache, daß Christus zur Zeit des Vollmondes (ein Symbol von Israel unter dem Gesetzesbunde) getötet wurde, versinnbildete, daß dies der Wendepunkt war zwischen zwei gleichen Zeitperioden der jüdischen Geschichte. Dies schattet Israel Wiederherstellung im Jahre 1914 vor. -- 1.Mose 25,24. Die Tatsache, dass Esao, ein Vorbild des Fleischlichen Israel, und Jakob, ein Vorbild des Geistlichen Israel, Zwillinge waren, schatete vor, daß die Länge des Jüdischen und die Länge des Evangelium-Zeitalters gleich sein würden. Hiernach würde das volle Ende des Evangelium-Zeitalters in das Jahr 1914 n. Chr. fallen. -- 3.Mose 20,18. Dem Jüdischen Volke wurde unter gewissen Voraussetzungen eine besondere Züchtigung von Sieben Zeiten angesagt, die sonstwo mit den Zeiten der Nationen bezeichnet werden. Diese Sieben Zeiten oder 2520 buchstäbliche Jahre fingen an mit dem Sturz des vorbildlichen Königreiches Israel in den Tagen Zedekias, im Jahre 606 v. Chr., und werden daher enden im Jahre 1914 n. Chr. -- Dan. 4,17. Nebukadnezars sieben Jahre des Verlustes des Verstandes schatteten die Zeiten der Nationen vor, 2520 Jahre, endend im Jahre 1914.

Die Liste geht noch etwas weiter, aber der Stil sollte auch aus der ersten Seite klargeworden sein. Ich wünsche auch weiterhin viel Spaß beim Überleben dieser vielen Weltuntergänge, nach denen sich die religiösen Menschen in ihrer ganzen Menschen-, Natur- und Lebensverachtung so sehr sehnen, dass sie allüberall Anzeichen ihres Vorschattens zu erblicken vermögen und gar nicht mehr damit aufhören können, uns diese Beweise darzutun.

Ein schönes Pfingstfest! (Fragt mal in dieser „christlichen Leidkultur“ aus irgendwelchen dunkelerdfarbenen CSU-Gewaltfantasien eure Mitmenschen, ob sie überhaupt wissen, was Pfingsten gefeiert wird!)

Damalige Schnellzählung

Titelblatt eines alten und sichtbar vergilbten Wachtturms mit dem Titel: Die Tage der Christenheit sind gezählt!

Seitdem musste vom Religionsdrückerverein, der diese Zählung durchgeführt hat, mehrmals nachgezählt werden — hach! Habe ich schon viele Weltuntergänge überlebt! Nicht einmal so richtig mitbekommen habe ich die. Und trotz alledem schickt der gleiche Religionsdrückerverein, der seine profetische Kraft und außergewöhnliche Kompetenz in der Auslegung der Bibel so deutlich und lächerlich belegt hat, paarweis die Opfer seiner kollektiven Idiotie von Klingelknopf zu Klingelknopf, blinde Hoffnung an das aussichtslose Dasein von Menschen zu verhökern, für immer ohne Krankheit und Tod erfüllt im Königreich Gottes leben…

Wer so viel für die Mission tut, kann eben niemals Rückschau halten. Und genau das ist von der Sektenführ… ähm… vom „treuen und verständigen Sklaven“ so gewollt.