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Sehr dadaistisch anmutendes Detail aus eine Reklame für den Bergmann-Geldspielautomaten Record Serie 90 aus dem Jahr 1975, in seiner Komposition unbeschreiblich...

Wer jetzt angesichts dieses neckischen Details aus einer Reklame aus der Mitte der augenwürgreizfördernden Siebziger Jahre denkt, dass das damit beworbene Geldspielgerät vielleicht ein bisschen hübscher ausgesehen hat: Nein, das ist nicht der Fall. Tatsächlich ist dieser Geldspielautomat von Bergmann, der, wenn man einmal von der Gewinnabtastung mit ständig auf der Platine herumschrubbernden Schleifkontakten absieht, seinem Mitbewerb von Wulff und NSM technisch überlegen war, vermutlich das hässlichste deutsche Geldspielgerät — zumindest so lange, bis ADP/Gauselmann um das Jahr 1982 ein paar unfassbare Geschmacksverirrungen der Marke „Merkur Zauberblume“ und „Merkur Glücksrad“ auf dem Markt erbrach, bei denen man Sehnsucht nach den geschmacklosen Siebzigern bekam. Nein, ich suche dazu jetzt keine Bilder raus. Ich will diese Anblicke, die damals in wehrlose Kneipen, Imbisse und Restaurants gestellt wurden, vergessen.

Gerätezulassungen

Gerätezulassungen -- Bekanntmachung über die Zulassung von Spielgeräte-Bauarten gemäß § 5 der Verordnung über das Verfahren bei der Zulassung der Bauart von Spielgeräten vom 6. Februar 1962 (BGBl.I S. 156) -- Bek. dr. BMI v. 24.2.1966 -- VI B 4 -- 641 114/2 -- im II. Halbjahr 1965 hat die Physikalisch-Technische Bundesanstalt die in der nachstehenden Aufstellung näher bezeichneten Bauarten zugelassen: -- Spielgeräte, die für eine Aufstellung in geschlossenen Räumen zugelassen sind. -- Touromat-Jolly von Panda GmbH, Köln-Mülheim, Zul-Nr. 21200001 und folgende -- Rotomat-pasch von Wulff-Apparatebau, Berlin 30, Zul-Nr. 22200001 und folgende -- Max und Morix von Bergmann & Co., Relingen, Zul.-Nr. 22500001 und folgende -- Rotamint Zwilling von Löwen-Automaten, Bergen, Zul.-Nr. 22700001 und folgende -- Addomat von Wulff-Apparatebau, Berlin 30, Zul.-Nr. 22800001 und folgende -- Variant de Luxe von G. Hiltgens, Köln-Lindenthal, Zul.-Nr. 23000001 und folgende -- Dualo Super von Wulff-Apparatebau, Berlin 30, Zul.-Nr. 23300001 und folgende

Das Bergmann-Gerät hieß natürlich in Wirklichkeit Max und Moritz…

Abbildung des Bergmann-Geldspielgerätes 'Max und Moritz' aus dem Jahr 1965 in einer damaligen Fachzeitschrift für Automatenaufsteller

…und irgend jemandem zwischen Bundesinnenministerium und Druckerei hätte das eigentlich auffallen müssen.

Interessant ist aber, wie sich die Namensgebung von Geldspielautomaten innerhalb meiner kurzen Lebenszeit verändert hat. Niemand käme heute auf die Idee, ein solches Gerät „Max und Moritz“ zu nennen.