Cue-Tease

Detail mit der Flipper-Abbildung aus einer an Aufsteller gerichteten Reklame für den Bally-Flipper Cue-Tease aus dem Jahr 1963

Obwohl es für diesen Bally-Flipper aus den Sechzigern, den ich übrigens heute morgen das erste Mal in meinem Leben bewusst in einer kleinen Abbildung gesehen habe und gleich mal recherchieren musste, eigens Reklame in deutschen Aufsteller-Fachmagazinen gab, ist er mit seiner 500er-Auflage eher ein seltenes Gerät. Der ging wohl nicht so gut in den Spielhallen… 📉

Aber ehrlich gesagt, die Abbildungen des Spielfeldes in der Internet Pinball Database sehen auch brutal und geldfressend aus. Das Ding war eine reine drain machine, die im passenden Winkel von den Slingshots (gibt es da schon ein gängiges deutsches Wort für) bedienten Seitenausläufe sehen breit und schwer entrinnbar aus, und jedes Ziel ist gefährlich, wenn man darauf zielt und nicht genau trifft. Die 3 ist sogar gefährlich, wenn man gut und genau trifft. Der Leerbereich zwischen den beiden Flipperfingern ist selbst für damalige Verhältnisse riesig. Die zwanzig Pfennig, die damals ein oft nur zwei Minuten dauerndes Spiel in der BRD kostete, waren richtig viel Geld. Für sechs bis sieben Pfennig gabs ein Brötchen beim Bäcker. Also ein richtiges Brötchen, wo einer morgens in aller Herrgottsfrühe aufgestanden ist, um ein richtiges Brötchen zu backen. Das waren auch leckere Brötchen. Nicht so ein schnell von angelernten Billiglöhnern nach SPD-Arbeitsmarktvorstellungen aufgebackenes Industrieformteigstück wie in der „Back-Factory“ oder im Supermarkt.

Nein, ich erkläre jetzt nicht das englische Wortspiel im Namen dieses wohl völlig vergessenswürdigen Spielgerätes. Aber ich habe noch nie von einer Pool-Billardvariante mit fünf Kugeln gehört, die Bally hier erfunden hat, um ein Spiel mit fünf Zielen irgendwie über „Cue-Tease“ mit Frauenfleisch assozieren zu können — um dann aber auf dem Backglass des gleichen Flippers den Künstler eine bis auf die Mädchenärsche auf dem Tisch ganz normale Billardvariante zeichnen zu lassen. Das ist selbst für die von Emanzipationsbewegungen recht unbeleckten Sechziger Jahre und sogar für Bally-Verhältnisse wirklich schlecht und lieblos hingeklatscht.

Oh, YouTube ist manchmal eine Goldgrube: Keine weiteren Fragen zum Spielablauf.

Vom Köennen

Detail aus dem Backglass des auf Deutsch übersetzten Bally-Flippers The Wiggler aus dem Jahr 1967: 1-4 köennen spielen

Übrigens wurde der „Wiggler“ komplett, wenn auch etwas hakelig und mit vielen kleinen Fehlerchen und sichtbaren Unklarheiten, was diese Pünktchen über den Vokalen bedeuten mögen, in die deutsche Sprache übersetzt, einschließlich aller Playfield-Texte. Damals, im Jahr 1967, galt es noch als wichtig genug, die Menschen in ihrer Muttersprache anzusprechen, so dass erheblicher Aufwand dafür getrieben wurde. Das sollte sich schnell wieder legen, bis dahin, dass es heute deutsche Wörter gibt, die englisch klingen sollen und in englischer Orthografie daherkommen, aber von einem native speaker ohne Deutschkenntnisse gar nicht verstanden würden. „Handy“ zum Beispiel, oder auch „Beamer“, „Shooting“ (für Fotos, nicht mit Waffen) oder „Messie“. Warte für fünfzig Jahre, und die Folks werden einen Mischmasch talken, der eher an ein Pidgin als an Deutsch erinnert. Aber vielleicht sind wir lucky und bis dahin ist Chinesisch in. Nur der Chinese wird immer 我不明白你的意思 erwidern, wenn er das Ergebnis aus deutschem Munde hört, beinahe unmerklich den Kopf schütteln und wissen, dass es manchmal Jahrhunderte dauern kann, bis Barbaren sich assimilieren und langsam kultiviert werden können.