Für professionelle Verlierer

Frontscheibe des Geldspielgerätes Multimat Profistar von Wulff aus dem Jahr 1980

Der „Multimat Profistar“ war übrigens das erste elektromechanische Geldspielgerät von Wulff mit durchgehender Frontscheibe, ohne den seit 1969 (im Treff Ultra) prägenden „Mittelsteg“ im Gehäuse, der zwischen Münzvorlage und Hauptscheibe platziert war und direkt unter dem angezeigten Geldbetrag Platz für eine Auszahltaste bot. Diese für Zocker vielleicht nicht ganz unwichtige Taste ist nun an den Rand gedrängt auf der Blende zum Einwurfschlitz für 2-DM- und 5-DM-Münzen. Wer will denn schon seine Geldgewinne auszahlen lassen? Geld einwerfen ist doch viel schöner. Von NSM lernen — die ihre Auszahltaste sogar an der Seite des Gehäuses versteckten, so dass man sie von vorne gar nicht sehen konnte — heißt siegen lernen.

Die Werber im Hause Wulff begründeten die Designänderung mit der großen Frontscheibe damit, dass so eine bessere und ansprechendere Gestaltung der Frontscheibe möglich sei. In der Tat, sie wäre möglich gewesen, ganz unbestritten. Sie wurde eben nur nicht gemacht. Stattdessen im Hintergrund auf rotbrauner Scheibe sich kreuzende orangefarbene Linien im „schönsten“ Nachhall der formlichen und farblichen Geschmacklosigkeit der Siebziger Jahre, dazu ein paar typische Grüntöne als kleine unscheinbare Tupfer, weder Multi, noch Mat, noch Profi und schon gar nicht Star, sondern einfach nur billig und hässlich und würg. Die Siebziger Jahre waren eine Zeit, in der die Augen am liebsten unentwegt gekotzt hätten. Aber sie hatten ja leider gar keine Münder, die armen Augen.

Von den Achtzigern will ich da gar nicht erst anfangen… 😦

Pop-Ticktack

Kaufhof-Reklame aus dem Jahr 1988 für Swatch-Armbanduhren. So sportlich und farbenfroh flitzt die Zeit vorbei, wenn man mit der neuen Pop Swatch im Fancy-Techno-Look auf der Fun-Welle schwimmt. Für 65,– -- FUNLINE -- Kaufhof

So bunt und flutsch rutscht die Zeit durch die Finger, wenn man einem Mund voller lustiger Pillen und Ohren voller menschenrechtlich hoch bedenklicher Popmusik in den tollen und farbenrohen Achtziger Jahren eine Armbanduhr kaufen geht. Auf der Fun-Welle fällt es dann beim Surfen auf: Die Zeit ist vorbei, und weder Geschmack noch Vernunft sind in den Konsumtrottel eingezogen. Nur noch 65 Deutsche Mark, voll funny, wenn die weg sind! Vom Kaufhof, dessen Reklameheinis mehr Englisch schreiben, als sie Deutsch können.

Ich frage mich ja bis heute, wie ich diese vollenthirnten Achtziger Jahre ohne bleibende Hirnschäden überlebt habe.

Vergesst Disco!

An Aufsteller gerichtete Reklame für das Wulff-Geldspielgerät Risco aus dem Jahr 1982 -- RISCO -- Das klingt nicht nur beswingt

Liebe Freunde des gepflegten Designs der beginnenden Achtziger Jahre, ihr habt ja recht: Die „wunderschöne“ farbliche und grafische Gestaltung der Frontscheibe und die dazu pervers passende Form des Gehäuses geht in dieser kleinen, durch Entgilbungsversuche sehr verwaschenen und farblos gewordenen Reklame völlig unter. Deshalb hier noch ein (leider auch nicht so gutes) Foto, das den ästhetischen Begriff aus dem Jahrzehnt der völligen Enthirnung viel besser würdigt:

So sah das Gerät aus

Wieso die Reklameheinis meinen, dass ihre Reklame viel besser wirkt, wenn sie dazu eine spielende Zierfrau zeigen, die sich gar nicht für das Spiel interessiert, gehört allerdings zu den Fragen, die ich nicht beantworten kann.