Merkur Gold

Detail aus einer ADP-Werbung für das ADP-Geldspielgerät 'Merkur Gold' aus dem Jahr 1977

Bei diesem Foto aus einer doppelseitigen ADP-Reklame aus dem Jahr 1977 stellen sich doch eine Menge Fragen. Zum Beispiel die Frage, welche Bierdunststube der Siebziger Jahre so gut beleuchtet gewesen sein mag. Oder die Frage, wie wohl das Design eines hypothetischen „Merkur Silber“ oder „Merkur Bronze“ aussehen möge, wenn dieser hässliche Kartoffelkasten der „Merkur Gold“ sein soll. Oder die Frage, was wohl die der damaligen Modeverirrung enthüpften chinesischen Schriftzeichen auf dem weißen Hemd des Zuschauers bedeuten mögen, der sich am rechten Automaten festhalten muss, um nicht umzufallen. Und vor allem stellt sich die Frage, ob die Spielerin und der Spieler im Bilde wohl mehr Vergnügen mit ihrem Spiel gehabt hätten, wenn die beiden Automaten auch eingeschaltet gewesen wären. Denn im eingeschalteten Zustand sind sowohl die Sonne oben, die Zählwerke neben der Sonne, der Schriftzug „Merkur“, die Walzenablesefenster als auch der Sonderspiele-Gewinnplan erleuchtet.

Sicher ist nur eines: Der Mensch, der das Flaschenbier trinkt, tut richtig. Ich würde auch niemals der Zapfanlage einer Kneipe trauen, Gesundheitsamt hin oder her.

Die neue Spielattraktion

Die neue Spielattraktion aus dem Hause NSM bringt Super-Spielvergnügen! -- Die royal-super bietet die weiterentwickelte bewährte Technik der exquisit royal kombiniert mit einem noch effektvolleren und übersichtlicheren Spielsystem, das diesem Gerät den Erfolg beim Spieler und damit beim Aufsteller sichert! -- Ein starker Spielanreiz geht nicht nur von den drei superschnellen vierteiligen Lichtjackpots aus, sondern auch von den Sonderspiele-Lichtfeldern, von denen jedes Verlängerungsmöglichkeiten -- im Höchstfall bis zu 100 Sonderspiele -- signalisiert. -- Unterbrechen der Sonderspiele: -- Die dem Spieler erstmals gebotene Möglichkeit, den Ablauf der Sonderspiele selbst zu bestimmen, ist ganz zweifellos ein kassensteigernder Spieleffekt. Denn dadurch, daß der Spieler den Ablauf der Sonderspielserien nach Belieben unterbrechen und Normalspiele dazwischenschalten kann, verschafft er sich ein längeres indivudelles Spielerlebnis. -- Rotamint Royal Super

Dieser „kassensteigernde Spieleffekt“ wurde übrigens danach nie wieder in ein NSM-Gerät verbaut, scheint also bei weitem nicht so erfolgreich (oder auch nur beim Spieler akzeptiert) gewesen zu sein, wie es der von NSM bezahlte Werber hier nach einer extragroßen Nase Kokain herbeihalluziniert hat. Es ist vielleicht effektvoll, aber nicht besonders lustig, wenn man beim Zählerstand 2 die Sonderspiele unterbricht und ein Normalspiel dazwischenschaltet und wenn dann in diesem Spiel die Kombination 7-Joker-7 einläuft, die im Sonderspiel beim Zählerstand 2 eine Verlängerung um hundert Sonderspiele und damit einen Geldgewinn von rd. 120 DM gegeben hätte.

Suuuper-Ding mit sinnlosem Hebel

An Automatenaufsteller gerichtete Werbung für das Geldspielgerät 'Super-Zocker' von Hellomat aus dem Jahr 1977: HELLO JETZT KOMMT SUPER ZOCKER: DAS SUUUPER-DING VON HELLOMAT!

Das sehr auffällige und zugegebenermaßen eigentümlich hübsche Gehäuse hat freilich mehr hergemacht als das Spielsystem, und von der Auszahlquote will ich gar nicht erst anfangen. Immerhin wurde das „langsame“ 15-Sekunden-Spiel nach damaliger BRD-Verordnung „aufregender“ gestaltet, indem es schnell in 7,5 Sekunden durchlief, und wenn dies nicht zum Gewinn führte, gab es ein zweites Spiel hinterher — bei Gewinn im ersten Spiel gab es für den allerdings Spieler 7,5 Sekunden lang die Gelegenheit, über den Sinn des Lebens oder über seine trüben Gewinnaussichten nachzudenken. Eine Idee, die sich nicht durchgesetzt hat und nicht noch einmal versucht wurde, weil sie die „gefühlte Gewinnhäufigkeit“ halbiert hat. Der Mechanismus mit dem ebenfalls sehr auffälligen Hebel hat natürlich nicht die Walzen angetrieben, dies geschah nach wie vor mittels Elektromotor, Zahnriemen und Rutschkupplungen, sondern nur beim Herunterziehen des Hebels einen Mikroschalter geschlossen, der das Spiel startete — und ist somit die vermutlich aufwändigste und körperlich am anstrengendsten zu bedienende Spielstart-Taste, die jemals bei einem Geldspielgerät für die BRD verbaut wurde. Die Frage, was die Ingenieure in Hellenthal wohl für ein Kraut geraucht haben, als ihnen diese extratolle Idee kam, beantwortet sich vielleicht ein wenig durch die Gestaltung der Reklame für dieses Gerät.