Jet 100

Ausgesprochen peinliche Werbung für die Musikbox Jet 100 aus dem Jahr 1968. Seevend präsentiert: die Superbox, die garantiert in jeden Raum passt. Seeburg Jet 100.

Für die Jüngeren: Das obskure Gerät zur Linken der Zierfrau mit ihren gespreizten Beinen ist eine so genannte Musikbox. Diese Geräte kommen aus dem Vor-MP3-Zeitalter. Sie standen in jeder Kneipe und auch in vielen Restaurants. Man konnte zwanzig Pfennig einwerfen, auf einer großen Liste verfügbarer Schallplatten nachschauen, welche man hören wollte und auf etwas schwergängigen Tasten einen Code eingeben, was zur Folge hatte, dass eine unfassbar aufwändige Mechanik diese Schallplatte abspielte. Da diese Dinger meist am Dauerdudeln waren und ein durchschnittlicher Schlager aus der Sechziger-Jahre-Hölle rd. vier Minuten dauerte, brachten sie dem Aufsteller rd. 3 Mark in der Stunde ein. Also so ungefähr zwanzig Mark am Abend. Das klingt nicht nach viel Geld, aber so ein grüner Zwanzig-Mark-Lappen mit dem Bild einer Frau mit Magenverstimmungsgesicht auf der Vorderseite und einer Klarinette mit Geige auf der Rückseite hatte zu dieser Zeit eine erstaunliche Kaufkraft. Der ist nicht mit 20 Euro von heute zu vergleichen. Auch nicht mit 50 Euro. Aber dafür hat heute jeder einen Kopfhörer immer und überall dabei…

1 up

Detail aus dem Backglass des Williams-Flippers Student Prince aus dem Jahr 1968

Und jetzt noch etwas Reklame:

Werbung für den Williams-Flipper Student Prince aus dem Jahr 1968 -- Ein goldener Herbst erwartet Deutschlands Aufsteller: Hier sehen Sie den Flipper, der die Voraussagen der kühnsten Optimisten übertraf: Student Prince -- Der jüngste Sproß der Williams-Erfolgsserie hat wieder alle Rekorde gebrochen! Von überall melden die Aufsteller neue zusätzliche Umsätze. Das hat seine handfesten Gründe: -- 1. Neue Farbe -- 2. Hochzähler mit sehr hohen Punktzahlen -- 3. schließende Flipper -- 4. Bonuszählrad mit 10- und 100facher Wertung -- 5. Tore für Extrabälle -- Entdecken Sie mit Student Prince auch für sich neue Umsatzreserven. Wir können sofort liefern. SEEVEND

Eine neue Farbe ist also ein handfester Grund für neue, zusätzliche Umsätze. Immer, wenn man glaubt, die Reklame werde im Laufe der Zeit immer dümmer und hirnloser, reicht es, mit wachem Geist die sechzig Jahre alte Reklame zu betrachten, um zu bemerken, wie viel Dummheit sich hinter dem seligen Schleier des Vergessens versteckt hat. Übrigens: So hat sich der Flipper gespielt (die bimmelden Gongstäbe für die aufgezählten Punkte wurden irgendwann im Laufe der Zeit von einem offensichtlich Genervten entfernt, so dass das relativ leise Soundbild in diesem Video irreführend ist). Für meinen Geschmack ein ziemlich durchschnittlicher Flipper seiner Zeit, der auch durch seine etwas geschmacklose Farbwahl nicht interessanter wurde…

Rotator

Geldspielgerät Rotator von Lindl&Co Gerätebau GmbH aus dem Jahr 1968

Manchmal brachten die Sechziger Jahre gar eigenartige Gestaltungsideen hervor. Bei Lindl & Co. haben sie sich gesagt: Wenn wir schon Wulff-Geräte umbauen und das Gehäuse im großen und ganzen so lassen müssen, dann sollten wir doch wenigstens bei der Scheibe sehr anders aussehen. Also machen wir dort einfach zwei Gruppen konzentrischer Kreise und färben die dabei entstehenden Flächen abwechselnd rot und blau ein. Eine weitere kecke und in dieser Form niemals wieder gesehene Designidee war es, den Namen des Geldfressers in der damals generell sehr beliebten Futura zu setzen, und in den beiden kreisrunden „O“ jeweils ein Zeigerzählwerk für die Münzvorlage (links) und eines für die Serienspiele (rechts) unterzubringen. Nach unbestätigten Gerüchten aus Kelheim, den damaligen Unternehmenssitz der Lindl & Co. Gerätebau GmbH, soll angesichts des optischen Zusammenspieles von Holzgehäuse und Scheibendesign der Blindenhund des Gestalters mehrfach undefinierbare Jaulgeräusche von sich gegeben haben, die den Eindruck erweckten, dass er sein blindes Herrchen beneidete.

Übrigens: Das Gerät ist ziemlich selten. Es war wohl nicht so ein großer Erfolg…