Diamant und Rheingold

Eine an Aufsteller gerichtete Werbung für NSM-Geldspielgeräte aus dem Jahr 1963: Die große Nachfrage nach unseren ROTAMINT-Typen DIAMANT und Rheingold zeigt uns, dass die Aufstellerschaft ihren Vorteil zu wahren weiß! Die Rotamint ist das Rückgrat jeder gewinnbringenden Aufstellung -- heute, wie vor 10 Jahren!

Das Gerät im Bild ist übrigens die Rotamint Diamant — die Rotamint Rheingold sieht nicht ganz so fürchterlich nach den Fünfziger Jahren aus, wenn dort auch noch ein paar aus dem Rekordjahrzehnt der Geschmacklosigkeit übriggebliebene Messingteile am Gehäuse verbastelt wurden. Was Diamant und Rheingold aber gemeinsam hatten, war der traumatisierende mehrtönige Gewinngong bei Gewinnen ab sechzig Pfennig, der in der Nähe von Friedhöfen sicherlich den einen oder anderen Toten aufgeweckt hat.

NSM hat im Jahr 1963 übrigens häufiger Werbung für beide Gerätetypen in Fachzeitschriften für Aufsteller abdrucken lassen, um darin nur die Rotamint Diamant abzubilden. Scheinbar ging diese Kiste nicht so gut weg.

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Süße Herzen…

Werbung für einen Flipper aus dem Jahr 1963 -- SWEET HEARTS -- 1-Mann-Spieler mit 2 Einwürfen -- 1 Spiel DM -,20 -- 2 Spiele DM -,50 -- Ein neuer attraktiver 1-Mann-Flipper mit der beliebten Spielkartenkombination. -- Nach Erleichten der drei verschiedenen Spielkartengruppen Freispiel im Spezial. -- Anschlagtürme mit erhöhter Wertung -- Patent-Spielfeld-Verriegelung. Türverschluß besonders geischert. -- In Vorbereitung FYLING CHARIOTS 2-Mann-Spieler, Auslieferung: November 1963 -- SWEET HEARTS der für Gaststätten besonders geeignete 1-Mann-Spieler

Hach ja, wie sehr in den Sechziger Jahren in deutscher Reklame noch nach deutschen Begriffen gestrebt wurde: Spezial, Anschlagtürme, Wertung… etwas mehr englischen Text zum (mir bis vorgestern völlig unbekannten) Gerät gibt es in der IPDB. 😉

Rheingold

Werbung für das NSM-Geldspielgerät Rotamint Rheingold aus dem Jahr 1963

Im Jahr 1963 hat sich NSM noch einen Hauch Fünfziger Jahre erlaubt, vor allem in der Gehäuseform und in den unsäglichlichen Messingteilen, aber die Scheibengestaltung ist schon klar in den Sechziger Jahren angekommen. Das Ergebnis ist durchaus interessant anzuschauen. Die Münzen im Hintergrund der Reklame mögen an eine Zeit erinnern, in der das Geld noch Kaufkraft hatte und einigermaßen hübsch aussah.

Was man auf dem Bild nicht sehen kann, ist der mehrtönige, außerordentlich laute Gong, der von diesem NSM-Groschenfresser bei Gewinnen ab sechzig Pfennig abgespielt wurde — und oft in den lichtlosen Bierdunstkammern „Hau wech“ als so störend bei der kollektiven Sedierung empfunden wurde, dass Wirte kurzerhand den Kasten aufschlossen und das Kabel zum Gong durchknipsten. Das Geräusch der Groschen, die heiter in die Schale prasselten, war ja auch vernehmbar genug. Leider habe ich bei einer quicken Suche auf YouTube keine Aufnahme des Gongs gefunden. Bei diesem Rotamint Bingo eines niederländischen Sammlers aus dem Jahr 1964, der ursprünglich den gleichen Gong verbaut hatte, war offenbar jemand so gnädig zu den Ohren seiner Mitwelt, den Krachmacher zu deaktivieren — und in späteren Typen wurde mutmaßlich auf Wunsch der Aufsteller von NSM eine eher leise Ding-Dong-Türklingel verbaut, die den Gewinn zwar akustisch anzeigte, aber nicht mehr den Eindruck erweckte, damit auch die Toten aufwecken zu wollen.