Vom sich festsetzenden Zweifel

Auch heute noch gibt es Verkündiger, die gern eine Liste der gegenwärtigen Katastrophen vorlesen und diese dann in Beziehung setzen zur Wiederkunft Christi. Und eine solche Liste kann sehr eindrucksvoll sein. Die Gemeinde geht dann nach Hause im Bewußtsein: Jetzt ist es bald soweit. Und dann vergeht ein Jahr nach dem anderen, und nichts geschieht. Dann können selbst Gläubige zu Spöttern werden! Wir gebrauchen diesen Ausdruck nicht mehr so häufig, sondern wir sprechen von Skeptikern, von solchen, die die biblische Botschaft nicht mehr so ganz ernst nehmen. Und wir müssen auch feststellen, daß viele, vor allem junge Menschen, die Gemeinde verlassen oder zumindest am Rande stehen. Das hat sicherlich viele Gründe, aber einer ist bestimmt auch der, daß in der Verkündigung zu oft an der falschen Stelle Hoffnungen geweckt worden sind. Wenn auf einer großen Konferenz sehr eindrucksvoll über die Wiederkunft Christi gepredigt worden ist, die Zeichen der Zeit als Katastrophenkatalog plastisch vorgeführt worden sind, dann ging man eben nach Hause im Gefühl: Jetzt ist es bald soweit. Und wer das mehrmals erlebt hat, kann schon in die Gefahr geraten, diese Art von Verkündigung in Zweifel zu ziehen. Wenn der Zweifel sich aber erst einmal festgesetzt hat, macht er auch vor anderen Themen nicht halt.

Und deshalb, Herr Prediger, verzichte in deiner Verkündigung besser auf irgendwelche überprüfbaren Angaben über kommendes Wirken und Geschehen, damit nicht ein haltloser Zweifel die ganze so mühsam von dir in Hirn und Psyche gepflanzte Religion wegnasche. Denn das ist schlecht für dein Geschäft. Wenn du ein politischer Prediger bist, wende diesen Ratschlag äquivalent an. Der Aufschwung mit Wohlstand für alle wird zwar irgendwann einmal kommen, aber bis dahin wird gespart und geopfert und verarmt und hemmungslos ausgebeutet. Bei dir hingegen kommt die gute Zeit ganz schnell und früh und prächtig an.