In DooM angespielt: Bauhaus

Ich mache da gar keinen Hehl draus: Mein Lieblingsspiel — dieses olle DooM aus den Neunziger Jahren, das inzwischen fast dreißig Jahre alt ist — spielt man nicht wegen seiner ansprechenden Grafik, sondern wegen seines Gameplays und wegen einer immer noch aktiven Gemeinschaft, die einen schier endlos erscheinenden Strom neuer Maps und Mods produziert. Ich weiß nicht, ob in zwanzig Jahren noch jemand über die modernen DooM-Spiele spricht, aber ich bin zuversichtlich, dass es in zwanzig Jahren noch eine kleine, sehr aktive Mapping- und Modding-Community für das alte Doom geben wird.

Niemand erwartet dabei von DooM grafische Großleistungen.

Um so erstaunlicher ist es, wenn man einmal ein ästhetisch ansprechendes und künstlerisch wertvolles Mapset findet. Ein solches Mapset ist B/\|_||-|/\|_|S, was ich im Folgenden nur noch als Bauhaus schreiben werde. „Vier mittelgroße Maps im Stil der Bauhaus-Kunst“ ist eine recht nüchterne Ansage in der WAD-Beschreiebung, aber die optische Gestaltung ist dermaßen gut, dass ich es in einem Rutsch komplett durchgespielt habe. Es macht regelrecht Spaß, in den Maps herumzugehen und sie sich anzuschauen. Das Gameplay ist ebenfalls gut, allerdings kann es frustrierend werden, weil man manchmal recht lange sucht, bis man den nächsten Schalter gefunden hat, der Fortschritt bedeutet. Oder genauer: Ich habe oft recht lange gesucht.

Die Maps sind nicht groß, aber sehen fantastisch aus. Die folgenden Screenshots habe ich mit LZDoom mit dem ollen Software-Renderer (ja!) bei relativ bescheidener Auflösung und ohne Einstellungen zur Verschlimmbesserung der Grafik angefertigt:

Schade, dass es nur vier Maps sind. 🤗️

Wer während der laufenden vierten Corona-Welle nichts mit sich anzufangen weiß und noch ein altes DooM 2 herumliegen hat, sollte sich dieses WAD unbedingt einmal anschauen. Aber bitte nicht mit dem alten DOS-Doom, da mindestens die Fähigkeiten eines Boom-kompatiblen Sourceports vorausgesetzt werden. Ich habe mir die Maps noch nicht näher angeschaut, aber bei einigen Effekten weiß ich schlicht nicht, wie man so etwas mit Boom hinbekommt. Es gibt ja kein Skripting. Vermutlich werden außerhalb der Map Voodoopuppen des Spielers auf bewegenden Sektoren transportiert und triggern dabei einige zeitlich recht präzise Ereignisse. Bauhaus ist nicht nur optisch überdurchschnittlich gut, sondern auch technisch brillant.

Und das für einen nicht so großartigen Spieler wie mich Beste daran: Die Kämpfe sind nicht außerordnentlich schwierig und frustrierend. Klar, es ist DooM, da kommen schon „ein paar“ Gegner. Waffen, Munition und Gesundheit sind großzügig platziert. Wer schon einmal DooM gespielt hat, wird nicht überfordert sein. Das Heftigste ist eine Spider_in Mastermind_in, die zum Kampf mit anderen Monster_innen neigt, so dass man sich schadlos nähern kann und Deckung hinter einer Säule findet, und dann immer schön aus der Deckung mit der doppelläufigen Schrotflinte drauf. Ich habe nicht einmal bei meinem Durchspielen die BFG abgefeuert, weil ich immer erwartet habe, dass da noch etwas Heftiges kommt. Kam aber nicht. Was ein bisschen nervig ist, sind die teilweise völlig nichtoffensichtlich platzierten Schalter, und zwar vor allem in der vierten Map.

Die vierte Map ist überhaupt ein Thema für sich. Ich könnte jetzt schon einen längeren Text über ihre Großartigkeit und ihre paar Problemchen schreiben. Aber spielt sie am besten selbst! Und nehmt euch ein bisschen Zeit dafür… 🕹️