Doppel-As

Werbung für das NSM-Geldspielgerät Rotamint Doppel-As aus dem Jahr 1974

Die „Rotamint Doppel-As“ ist übrigens aus Resten der Produktion anderer, früherer Typen von NSM-Geldspielautomaten gebaut worden, insbesondere die Platinen der NSM Rotamint Super Bingo aus dem Jahr 1973 finden hier eine Zweitverwertung, und zwar neben deutlich älteren Lichtjackpot-Platinen aus den frühen Exquisit-Geräten des Jahres 1971 im Inneren. Vermutlich war ein Großteil der Produktion bereits für die Herstellung der NSM Rotamint Kleeblatt (ebenfalls erschienen im Jahr 1974) und die anderen Geräte der etwas unglücklichen „gelben Serie“ mit ihrer völlig neuen Technik umgestellt, aber die noch vorhandenen Teile zu schade zum Wegwerfen. Es handelt sich ja immerhin um eine sehr robuste Technik, die einige Jahre Dauerbetrieb im Regelfall ohne Störungen mitmacht.

Tatsächlich wurden auf der unteren Anzeigetafel (mit den Lämpchen und den Zeigerzählwerken) vorherige Aufdrucke mit bedruckter metallischer Folie überklebt, damit sie zum „neuen“ Spielsystem passten — nämlich die Skala des Sonderspiele-Zählwerkes:

Detail der NSM Rotamint Doppel-As. Anzeigetafel mit deutlich sichtbarem Aufkleber im Sonderspiele-Zählwerk.

Bei NSM-Geräten aus den Siebziger Jahren sind solche für den Spieler sichtbaren „Fummeleien“ sehr ungewöhnlich; stets wurde von NSM auf ein „makelloses“ Erscheinungsbild geachtet. Immerhin fiel der kleine „Hack“ (wie man so etwas heute nennen würde) in der schummrigen Kneipenbeleuchtung nur bei sehr genauem Hinschauen auf.

Zudem verhält sich die 5er-Serie über den Lichtjackpot aus Spielersicht sehr seltsam und ein wenig verwirrend. Die in der Rotamint Doppel-As noch einmal verbauten Teile waren nicht für 5er-Serien ausgelegt, so dass eine 5er-Serie gar nicht angezeigt werden konnte. NSM, oder genauer gesagt: Einer der mit dieser Aufgabe gestraften Ingenieure bei NSM, entschied sich dazu, mit durchaus beachtlichem Schaltaufwand den erleuchteten Schriftzug „HERZ“ während der Serie stehen zu lassen, um den Ablauf einer 5er-Serie anzuzeigen und die erleuchteten Felder erst nach der Serie zu löschen. Kam es während des Ablaufs einer so angezeigten 5er-Serie zum Einlauf der Kombination As-Joker-As, so dass im Lichtjackpot die Kombination für die 10er-Serie erreicht wurde, dann wurde infolge des ganzen „Gefummels“ die Serie als reguläre 10er-Serie weitergespielt und wie gewohnt durch Aufleuchten des entsprechenden Lämpchens in der Anzeigetafel signalisiert, und der Schriftzug „HERZ“ wurde „vorzeitig“ gelöscht. Sicher, das Ereignis trat selten ein, aber vermutlich hat kein Spieler mit dieser Reaktion des Gerätes gerechnet.

Eine weitere Besonderheit der Rotamint Doppel-As: Es ist das einzige Gerät aus dieser Zeit, bei dem im sichtbaren Gerätenamen auf der Frontscheibe ein Großbuchstabe verwendet wurde — typisch für NSM war sonst die ausschließliche Verwendung von Kleinbuchstaben, und diese „Tradition“ wurde erst mit der NSM Rotamint Doppel Jackpot aus dem Jahr 1979 kurz gebrochen, dann aber weit in die elektronische Ära der späten Siebziger und frühen Achtziger Jahre wieder fortgesetzt. Vermutlich fand man die Schreibweise „doppel-as“ unklarer als die verwendete Schreibweise „doppel-As“. Warum dann aber nicht „Doppel-As“ geschrieben wurde? Nun, so etwas hatten sie bei NSM halt seit 1968 (mit der Rotamint Super Sieben) nicht mehr gemacht. 😉

Alles in allem kann man über dieses ingenieurstechnische Meisterwerk in der selten gut gepflegten Disziplin „Müllvermeidung“ folgendes festhalten: Die Rotamint Doppel-As ist das letzte NSM-Gerät, in dem (damals schon leicht veraltet wirkende) Zeigerzählwerke für die Anzeige des Münzspeichers verwendet wurden, sie ist das einzige reguläre NSM-Gerät (es gab natürlich ein paar Prototypen, mit denen neue technische und Spiel-Ideen mit einer Sonderzulassung der PTB in der Aufstellung ausprobiert wurden, die man aber nur in seltenen Glücksfällen zu Gesicht bekommen kann), das deutliche und für Spieler sichtbare Zeichen von „Verbastelung“ zeigt und unter den NSM-Geräten aus den Siebziger Jahren ist die Rotamint Doppel-As auch das einzige Gerät, das etwas seltener ist und einem nicht überall in den Garagenflohmärkten des Internet nachgeworfen wird — denn als die ganzen alten Teile in „neuen“ Geräten verbaut waren, wurden sie ja nicht mehr neu hergestellt. Dementsprechend selten hat man den elektromechanischen Geldfresser auch in der Aufstellung gesehen.

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